Durchs Alleenland

Es war wieder einmal Supercommutertag und ich hatte extra den Schmalspursinglespeeder gewählt, da ich eine unkomplizierte und zügige Fahrt wollte. Und so wählte ich für den Heimweg vom Büro einmal mehr die ehemalige B2, die heute L200 heißt, weil sie die glatteste und direkteste Verbindung nach Hause versprach. Durch die Umwidmung hat sich an der Straße aber leider nichts verändert, der Verkehr rollt nach wie vor massiv und das ganze nervte mich nach wenigen Kilometern schon so stark, daß ich beschloß, in Melchow vom direkten Kurs abzuweichen.

Also fuhr ich zunächst durch Nebenstraßen in Richtung Bahnbrücke und dann quer durch den Ort, so daß ich die Straße Richtung Grüntal erreiche. Schon hier ist die Entspannung zu spüren. Der Asphalt rollt leicht unter den Reifen ab und kaum noch ein Auto begegnet mir.

In Grüntal wieder die Frage, wo willst Du entlang fahren? Und ich entscheide mich heute für die nicht so häufig befahrene Straße nach Gratze. Nach Gratze führen die Reste einer ehemals schönen Allee, die aber gerade an einem sonnigen und leicht windigen Tag wie heute, den Vorteil einer richtigen Allee deutlich machen. Es gibt Sonnen- und Windschutz!

Gratze ist nicht einmal ein Ort, sondern ein altes Gut, daß heute zu Heckelberg-Brunow gehört. Ein Paar Häuser aus der Nachkriegszeit und dazu der Gutsbereich. Gratze ist unter Schmalspurern aber berüchtigt, da es hier noch für wenige hundert Meter dieses gnadenlose brandenburger Pflaster gibt:

Von Gratze fahre ich weiter nach Tempelfelde. Es gibt einen wirklich kleinen Stich hoch zum Friedrich-Wilhelms-Hof und dann die geradlinige Straße bis in den Ort. Normalerweise fahre ich von hier weiter nach Albrechtshof, heute entscheide ich mich aber für die Straße nach Schönfeld und komme zu einer Obstbaumallee. Im Gegensatz zur Allee nach Gratze bieten die Bäume hier kaum Sonnenschutz aber zur richtigen Jahreszeit wäre eine kleine Erfrischung möglich.

Von Schönfeld fahre ich mal wieder eine Straße, die ich noch nie oder zumindest nur vor ewig langer Zeit gefahren war. Aber was soll mich auch von Schönfeld nach Wilmersdorf treiben außer der Neugier? Die Strecke liegt für mich weit ab vom Schuß und quer zur wichtigen Routen.

Die Straße hat es aber in sich, denn hier folgt wieder eine Allee, wie sie kompletter in Brandenburg kaum anzutreffen ist. Die Bäume schließen das Dach über der Straße und obwohl außen die Sonne hell scheint, muß ich hier fast die Sonnenbrille abnehmen, so dunkel ist es.

Von Wilmersdorf komme ich nach Börnicke und damit wieder auf schon oft befahrenes Terrain. Ein letzter ausgiebiger Fotostop folgt beim Überqueren der A10 und dann geht es über Neulindenberg und Blankenburg direkt nach Hause.

Asphaltfreuden in der Hügellandschaft

Das beste Werkzeug, um den Charakter einer hügeligen Landschaft zu ergründen ist sicher das Fahrrad. Bei Auto oder Motorrad spürt man zwar größere Steigungen, ein sanftes auf oder ab aber nicht, weil es einfach nicht körperlich erlebbar ist.

Auch zu Fuß kann dieses auf und ab meist nicht so genau erspürt werden, da bei leichtem Anstieg oder Gefälle kaum ein Unterschied zur Ebene zu spüren ist.

Anders dagegen bei einem Fahrrad, noch dazu wenn es ein Singlespeed ist. Hier sind schon leichte Anstiege zu spüren und auch wenn keine Steigung zu sehen ist, geht eine geringe Neigung der Fahrbahn sofort in die Beine. Unterstützt wird das ganze natürlich noch durch die Anzeigen eines Höhenmessers.

Heute war es so weit, dass ich auf einem für mich nicht alltäglichen Weg vom Büro nach Hause fahren wollte und dabei sollten die Höhenzüge des Barnim zwischen Eberswalde, Bad Freienwalde und Prötzel / Strausberg erkundet werden.

Der tiefste Punkt der Tour liegt dabei schon in Eberswalde und von hier geht es über einige Kilometer hoch, wobei von bergauf nicht wirklich gesprochen werden kann. Vielmehr wechseln sich Steigungen mit fast ebenen Strecken und sogar mit leichten Abfahrten ab.

Nur noch knapp 20 Meter über dem Meersspiegel ist die Altstadt von Eberswalde gelegen und so heißt es gleich zum Beginn, wenn die Muskel noch nicht eingelaufen sind, ordentlich Höhenmeter zu machen. Der steilste Abschnitt liegt dabei auf der Breiten Straße, wo die Singlespeedübersetzung nicht wirklich passt.

Nach dem Abzweig der Tramper Chaussee wird es flacher, sie Steigung zieht sich aber noch bis kurz vor Sommerfelde die Hügel hinauf. Hier folgt eine kleine Abfahrt hinab in den Ort und jetzt geht es immer wieder rauf und etwas runter bis hinter Hohenfinow.

Richtung Cöthen überwiegt dann wieder der Gewinn von Höhe, ehe mir vor Dannenberg bewusst wird, warum es "-berg" heißt. Aber auch jetzt geht es immer wieder etwas höher und erst hinter der Kreuzung mit der B158 ist der höchste Punkt erreicht.

Der höchste Punkt liegt laut Höhenmesser auf 156 Meter. Die topografische Karte zeigt für die Stelle bei Platzfelde keine Höhenangaben, aber die Straße schneidet durch eine 155m-Linie und so wird es wohl stimmen.

Im Bauernwald geht es dann kurvig bergab und es kommt mir steiler vor als die Anstiege aus Richtung Hohenfinow. Aber so richtig runter geht es auch nicht. Statt dessen pendelt die Höhe um 100 Metern und es geht mal etwas rauf, mal etwas runter oder fast eben dahin.


Ein Stück sehr frische Straße, kurz bevor es nach links nach Haselfelde / Wriezen ab geht

Im Bereich Harnekop – Sternebeck ist es dann der Straßenbelag, der die Fahrt etwas bremst. Bestes Granitkleinpflaster bildet hier den Untergrund und ich muss unwillkürlich daran denken, dass dies wohl eine gute Filmkulisse abgeben würde.

Hinter Sternebeck gilt es dann ein letztes mal auf ca. 130 Meter zu steigen und eine Kuppe zu überwinden, ehe es nach Prötzel hinab geht. Das ganze findet dazu noch auf sehr neuem Asphalt statt, so dass ich den Blick auf die südlich gelegenen Wälder und Felder in Ruhe genießen kann.

Von Prötzel Richtung Strausberg geht es dann mehr oder weniger eben und erst kurz vor Strausberg folgt der nächste Rollabschnitt. Mit kleinen Unterbrechungen geht es hinab zum Straussee.

Kurz vor dem See erinnere ich mich an eine Fahrt vor vermutlich 23 Jahren, als ich nach Wesendahl unterwegs war. Es war Winter oder Herbst und ich war auf dem Sportrad meines Vaters unterwegs, als mir plötzlich das Hinterrad seitlich wegrutschte. Dabei kam es nicht zu einem Sturz, da diese Glatteisstelle nur wenige Meter breit gewesen war, aber danach war das Hinterrad durch die Wechselbelastung so verzogen, dass ich eine satte Acht in der Felge hatte. Es ging gerade noch zu fahren.

Richtung "Jenseits des Sees" geht es noch einmal mäßig steil nach oben und das war es dann mit den Hügeln. Denn Richtung Fredersdorf, Altlandsberg, Eiche geht es fast nur noch eben und die kleinen Steigungen an Brücken zählen einfach nicht.

Hundert

Gestern war es endlich so weit, daß ich den ersten Tag in diesem Jahr hatte, an dem ich mehr als 100 Kilometer auf dem Bike zurückgelegt hatte. Am Morgen war ich auf bekannten Wegen und bei leicht feuchtem Wetter zur Arbeit gefahren, am Nachmittag sollte es aber wenigstens auf Teilstrecken etwas neues geben.

Von Eberswalde kommend, startete ich zunächst nach Süden parallel zu den von mir schon so oft gefahrenen Wegen und mußte vor Klobbicke meine Schwimmfähigkeit beweisen.

Danach ging es durch mir fast unbekannten Wald weiter und ich schlängelte mich durch einen feuchten Robinienhain, ehe sich der Weg irgendwann verlor und ich bei Beerbaum auf Asphalt stieß und damit auch gleich einen Zipfel des Landkreises Märkisch-Oderland streifte.

Von hier fuhr ich auf bekannten teilweise befestigten, teilweise unbefestigten Wegen und Straßen weiter und am Ende waren es 102,5 Kilometer auf breiten Reifen und ich war ziemlich fertig.

Durchs MOL

Der Frühling bringt es mit sich, daß der Aktionsradius auf den verschiedenen Sportgeräten wieder größer wird und Regionen erkundet werden, die lange Zeit nicht mehr besucht wurden. Für mich bedeutete dies, heute einmal nicht den direkten Weg nach Südwest zu nehmen, sondern durch den Eberswalder Stadtwald zunächst nach Süden zu steuern. Dabei ging es so lange durch Wald und Flur nach Süden bis ein Zipfel des Landkreises Märkisch-Oderland in Beiersdorf gestriffen wurde.

Hier kam auch zum ersten mal am heutigen Tag die Sonne etwas heraus.

Erst nachdem ich meine Nase kurz ins MOL gesteckt hatte, ging es durchs BAR nach West-Süd-West. Der nächste größere Ort ist Werneuchen. Werneuchen ist so etwas wie der südöstliche Vorposten des Landkreises Barnim. Gleichzeitig hat der Ort auch noch einen funktionierenden Bahnhof, an dem die ODEG regelmäßig Züge halten läßt und einen kleineren Kornspeicher östlich des Bahnhofs, sowie einen größeren westlich des Bahnhof.

Bis Werneuchen hatte die Tour auch eindeutigen Offroad-Charakter, der auf dem weiteren Weg nach Westen aber komplett abhanden kam. In den jetzt durchquerten suburbanen Übergangsbereichen zum großen B habe ich einfach noch keine vernünftigen Wege gefunden.

Der Fühling macht es aber auch möglich, daß man auf dem Weg nach Westen direkt auf die untergehende Sonne zufahren kann und so wurde ich im Bereich der Darßer Straße von einem glühenden Ball geblendet:

Ortsverbindungen

Ortsverbindungswege stellen im brandenburgischen immer die kürzeste Verbindung zwischen zwei Orten dar. Allerdings gehen immer mehr von ihnen durch Nichtbenutzung verloren. Betroffen davon sind davon oft auch Wege, die ideal zur Nutzung mit dem Fahrrad geeignet wären, wie dieser zwischen Tempelfelde und Grünthal.

Nicht mehr lange und der Weg ist überpflügt und auch dieser Teil unseres kulturellen Erbes verloren.

hin und zurück

Die Idee, mit dem Bike an einem Tag aus dem großen B in den Barnim zur Arbeit und nach getanem Tagwerk von dort auch wieder zurück zu fahren, existierte schon länger. Aber es sollte bis heute dauern, ehe ich mich wirklich daran machte.

Die Fahrt nach Eberswalde am Morgen begann mit relativ hohen Temperaturen in der Stadt aber auch mit Nebel an der Peripherie.

An diesem Morgen folge ich auf der ersten Hälfte der Strecke dem Berlin-Usedom-Radweg und nutze die Gelegenheit um auch im Bereich der Eisenbahn bei Bernau ein Paar Fotos zu machen. Hier habe ich einen RE3 in Richtung Elsterwerda erwischt.

Den Rest der Strecke folge ich der B2, die zumindest in der letzten Ferienwoche noch erträglich ist und gelange nach knapp 2 Stunden Fahrzeit im Büro an.

Am Nachmittag habe ich als Ziel, die Baustelle Schiffshebewerk Niederfinow und auch die Badeanstalt in Eberswalde zu besuchen und so fahre ich nicht auf dem kürzesten Weg zurück, sondern verlängere die Runde, indem ich zunächst Richtung Osten aufbreche und erst später nach Süden schwenke. Aber schon auf dem Weg entlang des Finowkanals merke ich, daß der Rückweg wohl wesentlich beschwerlicher als die Tour am Morgen werden würde, denn schon hier spürte ich eine geweisse Mattigkeit.

Größere Höhenunterschiede sind auf der Tour nur im Bereich des Finwotals zu überwinden. Zunächst kommt die Steigung im Bereich der Ragöse, die ich noch recht locker erklimme. Wenige Kilometer später muß ich dann aber von Struwenberg nach Hohenfinow hinauf fahren und quäle mich zum ersten mal an diesem Tage so richtig. Oben angekommen rollt es auch nicht viel besser, denn hier macht sich der leichte Gegenwind bemerkbar, der mich ausbremst.

Hinter Hohenfinow geht es durch Wald in Richtung Gersdorf, wo mich der relativ schlechte Straßenbelag weiter nervt und ich das Gefühl nicht loswerde, daß die kleinen Räder des Herkelmann gnadenlos in jedes Loch plumpsen und mich dabei abbremsen.

Dann folgt Ewigkeiten offenes Land und die kleinen Alleebäume halten den Wind nicht zurück. Statt dessen habe ich sehr oft den Geruch verwesenden Obstes in der Nase. Von den vielen Apfel-, Pflaumen- und Birnbäumen fallen die Früchte, aber niemand sammelt sie auf.

Überraschungen aus der Vergangenheit warten dann in Beerbaum und Gratze auf ahnungslose Schmalspurtreiber. Denn in den Ortsdurchfahrten hat Pflaster aus den Anfangstagen der Mark bis in die heutigen Tage überlebt und fordert das Material zum Vergleich heraus. Das Pflaster in Beerbaum empfinde ich übrigens meist als schlimmer als jenes von Gratze, die Pflasterstrecke ist aber auch etwas länger. In Beerbaum kam mir wie zum Beweis auch eine RR-Fahrerin schiebend entgegen.


Ortsdurchfahrt Beerbaum, leichte Steigung in Richtung Gratze

Im Bereich von Börnicke habe ich dann endgültig die Lust aufs Rennradfahren verloren und fahre nur noch mechanisch weiter. Meine Geschwindigkeit sinkt dabei immer mehr und nur das Einwerfen des letzten Müsliriegels gibt mir noch etwas Energie und bringt mich bis nach Hause, wo ich nach insgesamt 120 Kilometern wieder eintrudele.