ein früher Vogel auf dem Treidelweg

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In den letzten 4 Jahren sind meine jährlichen Kilometer auf dem Rad kontinuierlich zurückgegangen. Das hatte verschiedene Ursachen von familiären Veränderungen bis zu körperlichen Beschwerden. Teilweise war es aber auch einfach nur die geringe Lust, die alten Strecken wieder und wieder zu fahren und dazu die zu geringe Zeit für die Suche nach und die Bewegung auf neuen Routen in unbekannten Regionen.

Zur Zeit scheint zumindest dieser Bann etwas gebrochen zu sein und ich suche die freien Zeiteinheiten, um auf den altbekannten Wegen zu fahren. Wer hier ab und zu mit liest, wird gemerkt haben, daß der Treidelweg am Finowkanal ganz oben auf der Favoritenliste steht. Und am liebsten fahre ich am frühen Morgen, wenn kaum ein anderer Mensch dort unterwegs ist.

Mit der Sonne Pendeln

Wer diesen Blog schon länger verfolgt, wird gemerkt haben, daß die Berichte in den letzten 2 Jahren generell weniger geworden sind und gleichzeitig auch kaum noch vom Pendeln zwischen Berlin und dem Barnim geschrieben wurde.

Das Radfahren fehlte mir in der letzten Zeit etwas und so war ich froh, daß es sich jetzt so ergab, daß ich in den letzten Tagen 3 mal nacheinander jeweils eine Richtung meiner Pendelstrecke zurücklegen konnte. Ich hatte zunächst Bedenken, daß die Strecke vielleicht doch etwas lang ist und ich die letzten Kilometer nur noch schleppend zurücklegen kann. Am Ende kam ich aber jedes mal gut durch und am dritten Tag hatte ich sogar bis zum Ende auch erstaunlich viel Kraft.

Was mich aber an allen drei Tagen etwas irritierte war die Tatsache, daß der Wetterbericht nie so richtig paßte. Am ersten Morgen hatte ich nach Wetterbericht eigentlich damit gerechnet, daß die Wolken aufreißen und ich der Sonne entgegen fahre. Das passierte allerdings nicht und so gibt es von dieser Fahrt auch keine Bilder.

Am zweiten Morgen passierte genau das Gegenteil. Ich hatte sogar noch überlegt, Regenzeug anzuziehen oder zumindest mitzunehmen. Aber das lies ich zum Glück bleiben. Nachdem ich gegen 5.30 Uhr die Stadtgrenze Richtung Barnim überschritt, riß der Himmel auf und die Wolken verschwanden innerhalb weniger Kilometer komplett und den Rest der Strecke schien die Sonne durch den Nebeldunst von einem blauen Himmel herab.

Am dritten Tag fuhr ich dann am Nachmittag in der Gegenrichtung. Hier begann die Fahrt mit Sonnenschein, aber nachdem ich ca. ein Drittel der Strecke hinter mir hatte, verfinsterte sich der südöstliche Horizont, ich konnte Regen erkennen, der aus der Wolkenfront fiel und ich hörte sogar entferntes Donnergrollen. So richtig hatte ich dieses Wetter nicht auf dem Plan und ich überlegte schon, ob ich nicht zur nächsten S-Bahnstation fahren sollte und so dem ganzen einfach entwische.

Letztendlich entschied ich aber, mein Glück zu versuchen und mich irgendwie durch die Schauergebiete hindurch zu manövrieren. Es klappte nicht komplett, da ich bei Schönow fast durchweichte. Ab da hatte ich die Wolken aber besser im Blick, wartete kurz unter einer Bahnbrücke, fuhr anschließend einen Bogen und kam halbwegs abgetrocknet zu Hause an …

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Biken, wo der Barnim am schönsten ist

Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich die Wetterlage wirklich als ‚Gutes Wetter‘ bezeichnen soll. Fehlt uns der jetzt nicht fallende Regen doch im weiteren Jahresverlauf und schon jetzt ist in vielen Regionen im Nordosten Waldbrandwarnstufe 4 (also die höchste) herausgegeben worden.

Zum Radfahren ist das Wetter aber sehr gut geeignet und so stand dies heute wieder einmal auf dem Programm. Und als Pferdchen nutzte ich das etwas in die Jahre gekommene aber immer noch sehr fitte Centurion Stratos.

Mein erstes Tagesziel war heute Morgen, noch einmal am inzwischen abgerissenen Kulturhaus von Finow vorbei zu fahren, um mir die Reste noch einmal anzusehen. Vom im Volksmund Vegas genannten Veranstaltungszentrum meiner Jugend ist inzwischen fast nichts mehr zu sehen und so fahre ich schnell weiter in Richtung der Gleise der stillgelegten und inzwischen teilweise auch abgerissenen Eberswalde-Finowfurter Eisenbahn und folge diesen bis auf das Gelände der auch abgerissenen Chemischen Fabrik Finowtal.

Der Weg führt mich durch eine ziemliche Wildnis und auf Grund der vielen Vogelstimmen und der unendlich vielen Mücken, die mich attackieren, als ich ein kleines Fließ überqueren will, fühle ich mich fast in einen Dschungel versetzt.

Weiter geht es durch das Viertel an der Spechthausener Straße, von dem sich die Natur auch immer größere Stücken abschneidet zu den Drehnitzwiesen, die ich auf schönem Trail halb umrunde. An solchen Stellen frage ich mich dann, wozu man weite Reisen unternehmen soll, wenn die besten Wege doch eigentlich vor der Haustür liegen.

Über den Bahnübergang am Tierpark geht es in den Eberswalder Stadtwald, wo ich südlich vom Schwappachweg in bestem Buchenwald eine runde auf sehr hügeligem Terrain drehe und dabei auch die Grenzen des Singlespeed oder vielmehr meiner Kraft erfahre. Und nach knapp 45 Minuten bin ich so bestens gelaunt ins Büro gekommen.

Am Nachmittag möchte ich dem Stratos dann eine Ecke zeigen, die es lange nicht gesehen hatte. Ich folge der Schwärze stromauf und komme so zügig nach Spechthausen und dann folgen viele Kilometer durch herrlichen Buchenwald auf verschlungenen Wegen entlang eines kleinen Fließes. Im oberen Bereich finde ich so gar noch ein Stück Weg, da sich noch nie gefahren war und komme sehr entspannt nach Klobicke. Ab hier folgt dann eine nicht schon oft gefahrene geradlinige Strecke bis ins Große B und am Ende des Tages stehen ca. 70 Kilometer mehr im Roadbook des Stratos.

Sieben Seen sehen

Das Motto der heutigen Heimfahrttour hätte ‚Sieben Seen sehen‘ lauten können, das mit den 7 Seen ergab sich aber erst im Lauf der Tour und so ging es wie immer mottofrei durch die Mark.

Fest stand zu Beginn nur, dass wir eine komplett andere Route für die ersten Kilometer wählen wollten, als bei den letzten Heimfahrttouren und so richteten wir unsere Vorderräder zunächst in Richtung Westen, auch um schneller voran zu kommen.

Eine erste Auflockerung kam aber schon nach wenigen Kilometern, als wir zu dem See oder Teich am Bahndamm der Berlin-Stettiner Eisenbahn abbogen, von dem ich keinen Namen kenne, den ich hier aber der Einfachheit halber, Schwärzeteich nennen will.

Der See oder Teich soll der Legende nach seine Entstehung einer vom Bahndamm gestürzten Dampflok verdanken, ob da was dran ist?

Mit gutem Schwung geht es zu diesem Teich hinunter ins Schwärzetal, durch den Bruchwaldbereich an der Einmündung der Schwärze hindurch und anschließend über eine kleine Steigung über Kopfsteinpflaster aus dem Schwärzetal wieder hinaus.

Eine direktere Route ins große B würde oben angekommen weiter nach SSW führen, aber wir halten uns mehr rechts und umrunden dabei den Schwärzesee. Von diesem ist zwar nur wenig zu sehen, aber wir wissen, dass er da ist und können somit auch den zweiten See abhaken.

Mit dem dritten geht es uns ähnlich, denn den Samithsee passieren wir auf der Nordseite und hier ist der Bruchwald zu sehen und später das weite Tal der Finow. Der See selber ist aber von Norden auf unserem Weg nur zu erahnen.

Beim Buckowsee wird daher beschlossen, diesen zu umrunden. Was mich dazu veranlasst, etwas am Gashahn zu drehen und meinem Begleiter etwas wie: ‚wird das hier ein Rennen?‘ von den Lippen zwängt.

Der nächste See für unsere Statistik wird dann der Strehlesee bei Prenden. Denn Bauernsee und Mittelprendener See sind dann doch zu weit entfernt, als dass sie zählen würden. Den Strehlesee passieren wir entgegen dem Uhrzeigersinn. Die andere Route ist fahrerisch zwar etwas interessanter, aber wenigstens ein mal im Jahr muss auch die hier sein und was interessantes zu sehen, gibt es trotzdem meist.

Zu sehen gab es heute z.B. dieses Haus, das wohl schon eine Weile auf einen Käufer wartet.

Hinterm Strehlesee wird es etwas hügeliger und auch sandiger und so wird das Herz-Kreislauf-System und auch der Bewegungsapparat ordentlich gefordert. Am Ende sind wir dann aber irgendwie durch und froh, nach Ützdorf abzufahren. Hier gilt es die Jogger nicht um- und auf dem Asphaltband weiterzufahren.

Auch der Liepnitzsee wird gegen der Uhr teilumrundet und auch hier nehmen wir den einfachen asphaltierten Weg. Irgendetwas muss mit den Uferwegen sein, denn so oft ich hier auch entlang fahre, so selten habe ich Lust die Uferwege zu fahren.

Hinter Basdorf wieder etwas Neuland für uns. Zuerst kurz am Bahnhof über die Gleise und dann etwas weiter rechts als sonst fahrend, kommen wir zum Tegeler Fließ und damit zum Mühlenteich und von hier weiter zum Mühlenbecker See.

Der gesamte Bereich ist ein einziger Fahrgenuss und dazu auch noch unter architektonischen Gesichtspunkten interessant.

Hier war es kurz vorbei mit dem Fahren, es galt ein Paar Meter zu schieben und eine morastige Stelle zu überwinden.

Damit ist dann aber auch Mühlenbeck erreicht und der Wald hat ein Ende.

Wir hätten von hier noch etwas den Mauerradweg entlangspielen können oder auch einen Abstecher nach Lübars unternehmen. Da es aber schon wieder spät geworden war, entscheiden wir uns für den direktesten Weg und fahren die B96 bis nach Pankow hinein. Vielleicht keine Traumstrecke, aber der Verkehr war heute noch sehr erträglich.

Wer genau mitgezählt hat, wird sich vielleicht wundern, wie ich nun auf sieben gekommen bin. Aber 7 sieht irgendwie besser aus und eigentlich waren zwei ja auch Teiche und damit nur halbe Seen, sechs plus 2 halbe macht auch sieben, also ‚Sieben Seen sehen‘.

Von den Nonnen über das Hell Fließ zum Gorin

Heute gab es nach der Arbeit eine kleine Tour auf breiten Reifen über Wald und Wiesen. Das Wetter zeigte sich entgegen den Ankündigen überaus freundlich. Die Sonne schien zwar nicht, aber es waren wieder um 10°C und es war trocken. Von Eberswalde starten wir zunächst Richtung Schwärze und folgen dieser bis Spechthausen.

Nach dieser kleinen Aufwärmstrecke finden wir hinter Spechthausen eine kleine Anhöhe, an der uns richtig warm wird und anschließend sind wir locker genug, uns dem Nonnenfließ zu widmen. Wie fast immer stelle ich auch heute fest, daß dies ein herrlicher Flecken Erde ist und wir genießen die leicht geschwungen Wege, daß beständige Aufwärtsfahren und die im trockenen Laub raschelnden Reifen.


(Oberlauf des Nonnenfließ)

Nach gut 10 Kilometern Fahrtstrecke haben wir unseren heutigen Abschiedspunkt gefunden, verlassen das Tal und fahren westwärts nach Schönholz und schließlich Melchow. Die Wege hier sind vor allem konditionell eine Herausforderung. Schwere Forsttechnik hat die Oberflächen durchgeknetet und jede Kurbelumdrehung kostet Kraft.

Bis Biesenthal fahren wir parallel zur Berlin-Stettiner-Eisenbahn. Auch hier ist hartes Arbeiten angesagt und so finden wir, daß wir uns ein Stück Kuchen bei der Bäckerei Franke verdient haben. Die leckere Eierschecke ist heute nicht im Angebot, aber ein Stück Käsekuchen ist ein fast gleichwertiger Ersatz.

Weiter geht es nach Südwesten in den Wald, wo ich mich bei der Navigation etwas schwer tue. An einer Stelle, wo wir eigentlich geradeaus fahren müßten, liegen größere Menge Holz kreuz und quer und außerdem geht nach links ein Weg ab, so daß ich denke, das müßte die richtige Richtung sein. Aber weit gefehlt, die Richtung stimmte überhaupt nicht, was wir aber leider erst spät bemerkten.

Versuche, die geplante Strecke über Querwege zu erreichen, scheiterten letztendlich, da diese zwar auf der Karte, nicht aber in der Realität vorhanden waren. UNd so legten wir die letzten Meter per Pedes zurück, ehe wir auch der Strecke zurück waren.

Die nächsten Kilometer folgen wir einem kleinen Wasserlauf. Ducken uns unter den umgestürzten Bäumen hindurch oder nehmen das Bike unter den Arm, wenn es auf den Stollen nicht mehr weitergeht. Meist rollt es aber perfekt.

Doch schließlich hat der Weg wieder einmal durch umgestürztes Holz ein Ende und wir klemmen uns erneut die Bikes unter den Arm, um eine parallel verlaufende Ersatzstrecke zu erreichen.

Wasserläufe verbinden oftmals offene Gewässerflächen und so auch bei uns. Nachdem wir noch ein Paar Meter am kleinen Fließ entlang gefahren waren, kommen wir an einen langgestreckten tief im Wald versteckten See, der uns mit einem perfekten Uferweg erfreut. Für ein Paar Kilometer können wir diesem folgen, ehe mit Lanke der nächste Ort erreicht ist.

Aber auch hier geht es gleich an einem kleinen See entlang und anschließend in den Wald hinein. Etwas auf und ab und Ützdorf ist erreicht.

Ab Ützdorf nehmen wir den einfachen asphaltierten Weg, weil wir etwas schneller voran kommen wollen. Der Liepnitzsee wird zur Hälfte umrundet und anschließend die Straße nach Wandlitz überquert. Hier merken wir, wie spät es inzwischen geworden ist und beschließen, den Weg etwas zu verkürzen und direkt ohne weitere Umwege ins große B zu fahren.

Dazu bietet sich ein bald nach links abbiegender Waldweg an. Dieser beginnt zunächst als Plattenweg, wird dann zur Rennpiste und schließlich zum Pfad. Unser Tempo steigt, was aber nervt ist dieses metallische Gerassel in meinem Antrieb und so nutze ich eine kurze Orientierungspause, um ihn nachzuschmieren. Weiter geht der Ritt nach Süden, der Gorinsee wird östlich passiert und wir kommen in die Hobrechtsfelder Rieselfelder.

Von hier ist es nicht mehr weit und so geben wir noch einmal Gas und rollen zügig durch bis in die Hauptstadt. Am Ende waren das ca. 60 Kilometer, die den Arbeitswochenabschluß perfekt machten.