Ein Morgen im Barnim 

In den letzten Wochen habe ich sehr oft mit dem Wetter gehadert, meist weil es mir einfach zu feucht war oder ich hatte keine Zeit für eine längere Strecke. Als ich heute Morgen aber die Sterne am Himmel gesehen hatte, beschloss ich meinen Arbeitsweg etwas zu verlängern und nicht den direkten Weg zu nehmen. 

Einen genauen Plan hatte ich noch nicht, wußte aber, dass ich Richtung Werbellinsee will. Ich starte also nach Westen statt nach Osten und habe zuerst noch den Berlinpendelverkehr neben mir. Ab der Kaiserwegbrücke Richtung Eichhorst geht es aber. Der Gegenverkehr ist gering und in meiner Richtung fährt die ganze Strecke niemand.

Oben auf dem Plateau zweifel ich daran, ob ich genug an habe. An den Knieen und Ohren wird es etwas kalt. Aber unten in Eichhorst ist alles wieder ok. Hier überlege ich kurz, Richtung Altenhof abzubiegen, fahre dann aber doch weiter auf dem westlichen Ufer des Werbellinkanals in Richtung See.

Alles ist ruhig unterwegs, ich bin aber erstaunt, wieviel Licht die Stege und Häuser beleuchtet. Ich fahre weiter am Nordufer entlang und freue mich über die Stille und den Blick durch die Bäume ohne Laub auf den See. Die wenigen Autos stören kaum. Nicht wie bei meiner letzten Fahrt auf dieser Straße, als drei Motorradfahrer meinten, die Kurven der Seerandstraße wären ihre private Rennstrecke und immer hoch und runter ballerten. 

Hinter dem alten Jugendtouristenhotel nervt und blendet etwas die Beleuchtung am Zeltplatz. Dahinter verschwinde ich im Wald und erklimme die Steigung nach Joachimsthal. Ich bin erstaunt, wie schnell ich oben bin. Abwärts geht es hier immer so zügig, da hätte ich mehr Gegenwehr beziehungsweise Schwierigkeiten erwartet. 

Ich fahre hinab nach Joachimsthal in Richtung Grimnitzsee, muss an der Schranke auf einen Triebwagen der NEB warten und vertue mich zwei mal bei der Suche nach dem Weg am See entlang. Die kleinen Umwege erhöhen mal wieder die Ortskenntnis.

Auf meinem Weg am Grimnitzsee entlang, herrscht plötzlich eine ziemliche Aufregung und wildes Geschnatter setzt ein. Irgendwo auf dem See, durch den Wald und den breiten Schilfgürtel nicht zu sehen, muss sich ein riesiger Wildgänseschwarm versammelt haben. Der Krach ebbt aber schnell wieder ab, als ich die ersten Ausläufer von Althüttendorf erreiche.

In Althüttendorf vertue ich mich erneut beim Weg, merke erst einige Hundert Meter nach überqueren der Autobahn, dass ich zu weit nördlich bin und drehe um. Ab hier wird es nun auch langsam heller und ich mache einige Fotos. 

Mein richtiger Weg ist dann sogar asphaltiert und schnell habe ich die B198 erreicht, die derzeit nach Osten eine Sackgasse ist. Verkehr herrscht trotzdem etwas. Aber es geht. Auf der Straße nach Senftenhütte überhole ich noch einen Radlader und lasse mich dann locker durchs Dorf rollen. 

Ab Senftenhütte merke einmal mehr, wie unterschiedlich der gleiche Weg wirken kann, wenn er mal in der Gegenrichtung befahren wird. Vor allem die Weite der Landschaft Richtung Süden beeindruckte mich. Das Eberswalder Urstromtal mit seiner dichten und auch hohen Bebauung bleibt unsichtbar. Der Blick geht gleich bis zum Barnimplateau mit seinen Wäldern und den Windrädern bei Tempelfelde östlich von Bernau. 

In Chorin mache ich noch einige Fotos vom Kloster mit Nebel und mache mich an die letzte Etappe. Es liegen jetzt noch gut 8 Kilometer vor mir und am Ende bin ich nach ca. 2 1/2 h und 50 Kilometern am Ziel. Schön war es.

Dunkelfahrten

Die Jahreszeit bringt es mit sich, daß meine gelegentlichen Fahrten zur und von der Arbeit in der Dunkelheit stattfinden. Normalerweise nehme ich dazu neben der Dynamobeleuchtung noch eine oder sogar zwei Batterielampen für Helm und Lenker. Und normalerweise hält das Licht auch locker für die morgendliche Hinfahrt und dann auch für die manchmal etwas längere Rückfahrt. Heute fiel aber die Chinalampe mit dem erst im letzten Winter gekauften neuen Akku nach 15 Minuten aus und die Sigma Karma auf der Hälfte der Rückfahrt… und am Ende stand ich wieder nur mit der Supernova E3 Triple im Dunkeln.

Pointe de Grave

Nachdem ich im letzten Jahr ein MTB (siehe Quer durch das Médoc) dabei hatte, entschied ich mich dieses mal für eine Doppelstrategie. Ein altes MTB für die Strand- und Familienfahrten und mein Honky Inc. für kleine Ausfahrten. Denn obwohl es hier ziemlich viel Wald gibt, fand ich das MTB im letzten Jahr nicht so passend. Der Wald wird einfach sehr schnell tiefsandig und quasi unfahrbar. Der Rest sind kleine Straßen und wenige Schotterpisten und auch mit schmaleren Reifen fahrbar. Und mit dem Honky Inc. ist meine Reichweite auch ganz anders. Und auch lullern ist noch halbwegs schnell.

Für die erste Tour beschließe ich, das Ende des Médoc zu erkunden und setze mir Pointe de Grave als Ziel. Ähnlich wie im letzten Jahr will ich also auch wieder einen Leuchtturm erreichen. Es geht also nach Norden. Dabei nutze ich weitgehend die recht gut ausgebauten Radwege, die weg von der Straße sind. Dann geht es entlang einer Museumsbahn weiter zum Leuchtturm und zum Ende der Halbinsel. Verrostete Gleise zeugen davon, daß die Bahn früher sogar bis hierher führte.

Zurück geht es die letzten Kilometer wieder über den relativ leeren Radweg, der überfüllte Strand am Ende ist ein starker Kontrast dazu.

Durch den Eberswalder Stadtwald und darüber hinaus

Unter Vielen, die ich aus Eberswalde und Umgebung kenne, scheint es schon fast zum guten Ton zu gehören, ständig zu betonen, wie doof und grau und gesichtslos Eberswalde doch ist und wie langweilig und wie wenig Möglichkeiten es für dies und das gibt und wie toll doch dieses super Berlin ist. Viele scheinen mir dabei aber zu vergessen, wie sich Eberswalde in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat (obwohl ich es auch früher nie so schlimm fand) und wie viel es heute bietet.

Sie vergessen dabei neben dem Wandel in der Stadt auch ganz gerne, welche fantastischen Freizeitmöglichkeiten es in und um Eberswalde gibt. Da wären zum einen unsere berühmten Sehenswürdigkeiten wie das Kloster Chorin und das (oder inzwischen die) Schiffshebewerk Niederfinow, den Finowkanal, den Zoo, der ja eigentlich ein Tierpark ist, den forstbotanischen aber auch den Familiengarten.

Sie vergessen dabei aber bestimmt auch die vielen Seen die zum baden oder einfach nur zum verweilen einladen, allen voran natürlich den Werbellinsee. Und nicht zuletzt vergessen sie wohl auch, daß Eberswalde eine (oder die) Waldstadt ist und der Wald quasi direkt neben dem Zentrum beginnt. Nur wenige Minuten mit dem Fahrrad und man kann eintauchen in einen Buchenwald, wie es ihn sonst nicht so oft gibt.

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Direkt in Stadtnähe gibt es ein umfangreiches System aus Trampelpfaden, Wanderwegen und einfachen Waldwegen so daß man sich sicher weit über eine Stunde hier mit dem Mountainbike tummeln könnte, ohne dabei wirklich jeden Weg gefahren zu sein. Ich wollte mich heute aber nicht nur hier tummeln, sondern noch etwas weiter nach Süden und Westen vorstoßen. Statt der üblichen Wege durch den Zainhammer und entlang der Schwärze fahre ich in kleinem Bogen nach Süden und Südwesten und komme dann doch wieder bei Spechthausen zum Nonnenfließ.

Wir haben ja fast den dunkelsten Punkt der dunklen Jahreszeit erreicht und so wird es schon kurz nach vier ziemlich finster im Wald. Ich lasse mein spärliches Licht trotzdem noch aus und ziehe die Dunkelheit in mich ein. Die Wege sind kaum zu erkennen, da in den letzten Tagen die Bäume massiv ihr Laub verloren haben. Und nicht nur einmal gerate ich kurz auf Abwege.

Kurz hinter dem Liesenkreuz muß ich fast durch einen See fahren. Hier ist schon länger ein Biber aktiv und scheint das Nonnenfließ wohl zu einem See aufstauen zu wollen. Der Damm ist inzwischen so hoch, daß der Weg in diesem Bereich teilweise mehr als knöchelhoch überflutet ist und auch sehr matschig war. Zum Glück hatte ich heute meine Neopren-LAKEs an, so daß ich trockenen Fußes durchgekommen bin.


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Von da geht es über Schönholz nach Melchow, wo es sich lohnt bei der Bäckerei Haupt eine kurze Rast einzulegen. Heute ist mir aber nicht danach. Es ist inzwischen schon stockdunkel und auch kalt geworden. Ich beginne trotz der Bewegung leicht zu frieren. Der Mond erleuchtet mir den Weg ab hier durch den Ort und weiter bis zu meinem Ziel.

Noch mehr Herbst 2016

Ich hatte vor längerer Zeit mal einen Beitrag über die Die Farben des Herbstes geschrieben. Damals war ich südsüdöstlich von Eberswalde unterwegs. Heute erkundete ich einige lange nicht gefahrene Wege rund um Spechthausen. Es war keiner dieser schönen sonnigen Herbstage, die in diesem Oktober ja sowieso fast komplett gefehlt haben. Einiges an Farbe hatte der Herbst aber dann doch zu bieten.

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