Sherry-Cup 2010

Besonders reich an spannenden Regatten ist das Revier Werbellinsee nicht gerade und so nehme ich nach Möglichkeit an jedem Event teil, daß sich bietet.

Daher wollte ich auch in diesem Jahr wieder zum Sherry-Cup nach Joachimstal fahren, obwohl meine akuelle Lieblingscrew nicht konnte. Dazu versprachen die Wetterfrösche im Mittel 4 (manche auch 5) Bft und
dazu sollte es Schauer geben und natürlich auch entsprechende Böen. Als Ersatz für die fehlende Crew konnte ich glücklicherweise kurzfristig noch meinen Bruder rekrutieren. Das aber verlangte bei den angesagten Bedingungen vollste Konzentration von uns.

Für den Hinweg quer über den gesamten See machte ich mir jedoch ersteinmal keine Sorgen. Ich war zwar allein an Bord und auch der Wind wehte schon kräftig aus der angesagten Richtung, aber das bedeutete ja auch nur, daß es raumschots über den See geht und da ist die Dochnoch auch bei 4 Bft noch locker allein zu beherrschen, zumal ich gleich die kleine Fock gezogen hatte und somit wirklich nur ca. 20 Quadratmeter Tuch oben waren.

Da der Wind die gesamte Zeit schön aus achterlicher Richtung kam, ging es zügig voran (in der Spitze waren es 9,5 Knoten) und ich konnte nach einer knappen Stunde im Yachtclub Schorfheide anlegen.

Hier hatte sich schon eine größere Zahl an Seglern eingefunden, die Mehrzahl von ihnen fuhr zu dritt oder viert auf Kielbooten. Aber es gab auch ein größeres 420er-Feld, dazu eine Ixylon und einen Laser und immerhin 5 20er Jollenkreuzer. Und da Ecki und Christopher aus meinem Verein auch vor Ort waren, versprach es eine spannende Konkurenz zu werden.

Eröffnung und Start verliefen insgesamt etwas chaotisch ab. Denn obwohl die Eröffnung bis ca. 10 Minuten vor dem geplanten Start dauerte, meinte die Wettfahrtleitung die Startprozedur, wie in der Ausschreibung angekündgt, pünktlich beginnen zu müssen. Niemand nahm die ersten Signale so richtig ernst und auch mir wurde erst zum Minuten-Signal bewußt, daß es jetzt wirklich los ging.

Ärgerlich war es natürlich für die, die es nicht schafften. Denn gerade bei den Jollen, die zur Eröffnung ja noch alle auf der Wiese standen, waren nur 3 halbwegs pünktlich und nur wir bei den Jollenkreuzern. Und großes Glück für die Kielboote war sicher, daß sie erst in der zweiten Gruppe starteten und 5 Minuten mehr Zeit hatten.

Für uns bedeutete dies natürlich einen Vorteil, da wir entspannt und den optimalen Wind suchend aus der Bucht kreuzen konnten. Von der guten Startposition konnten wir dann aber nicht besonders lange profitieren, da sowohl Ecki als auch Christopher mit einer kompletten Crew von 3 Mann angetreten waren, die zudem auch über ordentliches Gewicht verfügten und so die mittlere Fock gesetzt hatten. Das bringt einfach den entsprechenden Vortrieb, gerade auch wenn der Wind zwischenzeitlich etwas nachläßt. Und bei einfallenden Böen hilft das Mehrgewicht sowieso.

Nach gut 2 Kilometern Kreuz waren meine beiden Konkurrenten also vorbei gezogen und wir hatte nur noch die beiden führenden 420er als Matchpartner, konnten den Abstand zu den 20ern bis in die Nähe von Altenhof aber halbwegs halten.

Ab Altenhof wurde es dann aber sportlich. Denn auf der zweiten Seehälfte konnte sich der Wind richtig entfalten. Schon jetzt war der Werbellinsee ordentlich von Schaumkronen bedeckt. Außerdem zog es aus Richtung Wildau auch bedrohlich schwarz auf und wir befürchteten schlimmes.

Der große Vorteil war jetzt aber, daß der Wind, obwohl er schon etwas zugenommen hatte, nicht mehr ganz so böig war und die Böen, die kamen, nicht wie mit dem Hammer einschlugen, sondern sich eher sanft die Windgeschwindigkeit steigerte. Für uns war dadurch auch jetzt noch alles locker zu segeln, ab und zu das Groß etwas auf machen und wieder dicht ziehen und weiter ging es.

Dann fing jedoch ein leichter Regen an und obwohl Regen das Wasser meist etwas glättet, wirkte der See immer bedrohlicher, die Abstände der Schaumkämme wurden immer kleiner und der Wind nahm beständig zu.

Und dann passierte, wovor ein jeder Jollenkreuzersegler einen gewissen Horror hat. Bei Ecki, der inzwischen seinen Vorsprung auf uns auf 300 bis 400 Meter Luftlinie vergrößert hatte, krängte das Boot stark und obwohl das Großsegel schon komplett gefiert schien, nahm die Schräglage immer weiter zu. An der Fock tat sich aber nichts und die Bö schien auch nicht wieder nachzulassen, denn die Krängung steigerte sich weiter und schließlich berührten die Segel und der Mast das Wasser und der >Feuervogel< kenterte ruckzuck durch.

Bei uns und auch bei Christopher brach daraufhin eine kleine Unruhe aus und wir drehten die Vorsegel weg. So gerüstet, kreuzten wir weiter gegenan, immer auf der Lauer nach dem Hammer, der Ecki umwarf. Aber zumindest bei uns setzte der Wind relativ gemäßigt ein und wir hatten keine Probleme, die Dochnoch nur mit dem Großsegel auf Kurs zu halten.

Christopher fuhr als erster zu Ecki ran und schien kurz mit ihm zu reden, fuhr dann aber weiter gegenan und so beschlossen wir, auch zu Ecki ranzufahren und wenigstens die Jungs von ihrem Schiff abzubergen. Denn, auch wenn ein komplett durchgekenterter 20er nicht droht, unterzugehen, gibt es doch etwas schöneres und vor allem sichereres, als sich im Wasser stehend am Rumpf festzuklammern.

Wir hatten Mühe, die durchnäßten Männer an Bord zu holen, als dies erledigt war und kein Motorboot in unserer Nähe zu sehen war, beschlossen wir, den Weg Richtung Joachimsthal anzutreten, da wir wahrscheinlich schneller Vorwind dorthin gefahren wären, als in unseren Hafen zu kreuzen. Nach wenigen Minuten kam aber Maik vorbei und nahm uns die 3 Wasserfrösche ab.

Das war auch der Beginn der Rettungsaktion. Auch Paul und Mario hatten inzwischen bemerkt, daß da etwas größeres umgefallen und die Regatta abgebrochen. Denn irgendwer muss schließlich die >Werbellinsee< holen und die stand in Joachimsthal und fahren können sie blos Mario oder Ecki.

Während die Rettungsaktion anläuft, beschließen wir jedoch die Regatta weiter zu fahren. Zum einen sind inzwischen genug kräftige Männerhände alarmiert zum anderen muss sich aber auch noch jemand etwas um die Jugendlichen auf den 420ern kümmern, die nach der Regatta irgendwie wieder in unseren Verein müssen und ihre Boote für die nächste Regatta aufladen sollen.

Als wir wieder in Richtung Barschberg kreuzen, sehen wir, daß Christopher in den Hafen weiterkreuzt und sind dadurch plötzlich erster der Jollenkreuzer auf dem Kurs. Der Wind hatte nach Durchzug der schwarzen Wolken und des Schauers rapide abgenommen und wehte nur noch mit ca. 3 Bft, dazu schien die Sonne und so machten wir uns wieder sehr entspannt an die lange Vorwindstrecke.

Uns im Nacken saß nur der inzwischen erste der Kielkreuzer, der von Paul die Führung übernommen hatte. Da der Wind allmählich aber doch wieder auf gut 4 Bft zunahm, kamen wir wieder gut ins Rutschen und unser Abstand vergrößerte sich allmählich. Von unserer verbliebenen Konkurenz war erst weit entfernt etwas zu sehen, dort war zwar ein Spinaker zu erkennen. Aber der Abstand war so groß, daß ich mir keine Sorgen machte und außerdem packten die Jungs vor Altenhof den Spi auch wieder ein, so daß sich der Abstand dann nicht weiter gravierend veringerte.

Nach gut 2 Stunden überquerten wir die Ziellinie und hatten immer noch 8 Minuten Vorsprung und vor uns im Ziel war nur der erste 420er.

Im Verein gab es dann Freibier, Würstchen und Steak bis wir nicht mehr konnten, es regnete nochmal 10 Minuten und auf der Wiese herrschte kleines Chaos, weil die Jugend noch nicht so den richtigen Plan beim Einpacken hatte.

Kurz vor der Siegerehrung kam dann noch die Nachricht, daß der >Feuervogel< aufgerichtet wurde und es auch keine großen Schäden gab. Und so nahm der Abend dann dochnoch ein ganz gutes Ende.

Wir hatten zwar gewonnen, aber es gäbe auch noch einige Fairplaypreise zu verteilen, da Paul und auch Christopher ihre Siegchancen zu Gunsten von Ecki aufgaben.

Wer die restlichen Ergebnisse dieser nach Yardstick ausgetragenen Regatta sehen will, wird auf der Homepage des Yachtclubs fündig (yachtclub-schorfheide.de).

Zum Abend hatte der Wind weiter abgeflaut und so beschloß ich, nach Hause zu segeln. Der Himmel war lange Zeit grau, aber kurz bevor ich die Segel strich, kam noch einmal die Sonne heraus und bohrte ein Loch durch die Wolkendecke.

Werbellinseeregatta 2010

Irgendwie scheinen sich einige schnelle auswärtige 20er daran gewöhnt zu haben, daß man auf dem Werbellinsee gut mit so einem Schiff segeln kann und daß es auch keine wirkliche einheimische Konkurrenz für die Yardstick-99-Kandidaten bei der Werbellinseeregatta gibt.

Daher kamen auch in diesem Jahr wieder 4 von "Draußen", denen 8 vom See gegenüberstanden. Für uns hieß es dadurch aber auch wieder, daß unsere Zweikämpfe sich mehr im Mittelfeld als an der Spitze abspielten.

Und Zweikämpfe gab es viele, was schon am knappen Gesamtergebnis erkennbar ist. Zwischen dem 3. und dem 7. lagen nur 2 Punkte und der 4. und 5. sowie der 6. und 7. waren jeweils Punktgleich.

Die Enge im Mittelfeld wird auch noch einmal deutlich, wenn man sich die Abstände nach vorne und hinten ansieht. Zwischen 2. und 3. sind es 9 Punkte, zwischen 7. und 8. sind es 7,5 Punkte.

Für uns ging die ganze Würfelei dabei am schlechtesten aus, denn wir landeten auf besagtem siebenten Platz. Ich könnte jetzt noch über eigenartige Yardstickfaktoren (es wurden welche vom vorletzten Jahr genutzt) reden, die für uns eine bessere Platzierung verhinderten. Aber im Endeffekt ist das auch egal, wir hätten ja auch einfach besser segeln können!

Die kompletten Ergebnisse sind auf unserer Vereinshomepage unter Ergebnisse zu finden: Ergebnisse.

Würfelspiele

Der Sherry-Cup, veranstaltet vom Yachtclub Schorfheide aus Joachimsthal, ist für viele Segler vom Werbellinsee die letzte Regatta im Jahr und somit sind meist gute Felder zu erwarten. Bei den Jollenkreuzern bestand das Feld aus insgesamt 7 20ern und 15ern und gemeinsam mit den Jollen ging es in der ersten Startgruppe auf den Kurs.

Der Start war eine einzige Würfelei, da der Wind stark drehte oder einfach nicht vorhanden war. Und so wurde zunächst etwas gewürfelt. Mal waren die einen vorn, dann wieder ganz andere. Und am Ende war es Achim mit der XXL, der als erster richtigen Wind bekam und so die Führung übernahm. Zwei andere 20er folgten ihm dabei dicht auf den Fersen. Zu der Zeit hingen wir allerdings noch zwischen den 420ern fest und kamen nicht so richtig in Schwung.

Es war das perfekte Wetter für die XXL und so zog sie davon. Bei uns entwicklete sich mit Ecki und Fam. Schult ein recht spannendes Rennen, Ecki konnte ich dann vor Altenhof überholen, Fam. Schult am Barschberg. Danach sah für uns alles gut aus, Vorsprung um die 100 Meter und relativ gleichmäßiger Wind.

Am Ende der Wasserskibucht haben wir dann aber in irgendeiner Flaute abgeparkt, während die von hinten und dazu noch Lommel auf dem H-Boot ohne Unterbrechung näher kamen. Abstand dann nur noch wenige Bootslängen, ehe es bei uns wieder weiter ging. Den Abstand haben wir dann verteidigt bis kurz vor die Marina, wo wir bei einer Wende einen Überläufer auf der Winsch hatten und garnichts mehr ging. Da schwuppten dann alle vorbei und am Ende war es ein 4. Platz…

Werbellinseeregatta 2009

Langsam scheint es sich in Brandenburg herumzusprechen, dass man bei uns auf dem See vorzüglich 20er segeln kann, denn wie sonst ist es zu erklären, dass 7 auswärtige Teams nur noch 6 Einheimischen gegenüberstanden und somit das Feld bei der Werbellinseeregatta in eine Zweiklassengesellschaft teilten?

Die meteorologischen Bedingungen stellten die Wettfahrtleitung auf die Probe und strapazierten die Nerven der Teilnehmer, da der Wind manchmal stark drehte und insgesamt nicht gleichmäßig über den See verteilt war. Insgesamt war es aber doch halbwegs fair und wer den Werbellinsee bei dieser Windrichtung (O bis SO) kennt, weiß dass es schlimmer kommen kann.

Gesegelt wurde bei den 20er Jollenkreuzern nach Yardstick. Das bedeutet, dass alle Schiffe, die nach 1993 gebaut wurden, eine 99 als Faktor erhalten. Schiffe, die früher gebaut wurden, erhalten höhere Faktoren, mit denen der bauliche Unterschied herausgerechnet werden soll. Bei den Schiffen vom See lag dieser Yardstickfaktor zwischen 108 und 110.

Dass damit aber kein wirklicher Ausgleich geschaffen wird, ist klar, wenn auf die Ergebnisliste geschaut wird. Auf den ersten Plätzen liegen die Schiffe mit der 99 und auf den hinteren Plätzen die 108, 109, 110.

Aber egal, wir waren mit diesem Handikap bewußt gestartet und haben uns vor dem Start auf die revierinternen Kämpfe gefreut.

Uns ist bei fast allen Wettfahrten ein guter Start gelungen, was auch auf den Bildern des pixelsammlers teilweise gut zu erkennen ist, auch wenn wir kaum zu sehen sind:


Quelle: pixelsammler: Erfahrungsbericht Mastkamera

Auf dem Bild sind wir schlecht zu erkennen, erst bei genauerer Betrachtung ist der weiße Bug weit in Lee zu erkennen, der Start in Lee der anderen war auch meine bevorzugte Position, da sie möglichst lange freien Wind versprach.

Und den besten Start legten wir, obwohl er aus unserer Sicht nicht so perfekt ablief, am Sonntag vor. Wo wir mit Steuerbord starteten und vor dem gesamten Feld quer fahren konnten. Bis zu zwei Dritteln der Strecke lagen wir am Sonntag auch noch ganz gut, versackten dann aber mal wieder im Windloch. Trotzdem wurde dies zu unserer besten Wettfahrt, da wir uns von unseren Seegegnern wieder lösen konnten und am Ende die interne Wertung knapp gewonnen.

Gesamte Ergebnisliste hier: 57. Werbellinseeregatta – 20er Jollenkreuzer