SUP,  Teile

SUP: über Paddel

SUP-Paddel gibt in einer unheimlich großen Auswahl von ganz billig zu ganz teuer und die Wahl des richtigen Paddels ist fast noch schwieriger als die Wahl des richtigen Bretts.

Unterschiede bestehen in den eingesetzten Materialien und ob das Paddel 1-, 2- oder 3-teilig ist und natürlich in der Größe und Form des Blatts und des Griffs.

Profis schwören natürlich auf superleichte einteilige Carbonpaddel. Meist mit einer sehr großen Steifigkeit. iSUPer wollen dafür vielleicht lieber ein möglichst klein verpackbares. In der Welle wird man ein anderes Blatt fahren wollen als auf einer längeren Tour und im tiefen Wasser ein anderes als in flachen steinigen Gewässern.

Bei mir haben sich inzwischen 4 verschiedene Paddel angesammelt, an deren Beispiel ich auf einige für mich wichtige Aspekte eingehen will. Von links nach rechts sind versammelt:

  • ein Aqua Marina mit Kohlefaserschaft und recht weichem Kunststoffblatt
  • ein 3-teiliges Paddel von Decathlon mit einfachem Kunststoffblatt
  • ein ViaMare 2-teilig mit Alu-Schaft und einfachem Kunststoffblatt
  • ein Starboard Lima Tiki Tech mit Kohlefaserschaft und einem profilierten Blatt

Mit dem 2. Bild will ich zunächst einen Blick auf die Schäfte und Griffe werfen.

Ganz unten liegt das Starboard. Es hat den längsten Schaft (die Paddel sind an der Unterkante der Blätter ausgerichtet) und im Vergleich auch das längste Oberteil. Gut sichtbar ist auch die Skala. Der Schaft ist so geformt, dass er nicht verdreht und er ist mit dem relativ zierlichen Klemmmechanismus stufenlos zu verstellen.

Darüber liegt das Via Mare. Ich kaufte es zu meinem ersten Brett. Es hat eine simple Konstruktion aus steifem und robustem Kunststoffblatt und Alu-Schaft. Der obere Teil wird über eine Federklemme mit Stift verstellt und in der Länge arretiert. Funktioniert für mich sehr gut, allerdings ist die Feder sehr stark. Manche Freunde hatten Schwierigkeiten, es zu verstellen. Durch den Stift ist der Schaft verdrehsicher.

In Orange ist das SUP-Paddel von Decathlon. Es ist 3-teilig und aus Alu. Das Blatt ist aus orangem Kunststoff, Griff und Klemme sind weiß. Der Schaft hat eine Nut und ist dadurch verdrehsicher. Die Klemme geht einfach zu verstellen, allerdings muss ich gelegentlich die Spannschraube nachstellen.

Ganz oben liegt das Paddel von Aqua Marina. Es hat einen Kohlefaserschaft und ist dadurch sehr leicht. Der obere Teil ist komplett rund und egal, wie stark ich den Verstellhebel anzog, es war nie verdrehsicher. Das Blatt ist aus sehr weichem Kunststoff.

Unterschiede gibt es auch bei den Griffen. Decathlon ist relativ dünn, Aqua Marina sehr dick. Die anderen beiden dazwischen. Beim Paddeln kam ich mit Via Mare, Decathlon und Starboard Lima sehr gut zu recht. Der Aqua Marina ist mir, obwohl ich recht große Hände mit langen Fingern habe, zu dick.

Die Blätter
Die nächsten Bilder zeigen einen Vergleich der Blätter. Ohne die Größe exakt ausgemessen zu haben ist Aqua Marina am kleinsten, Via Mare am größten und die beiden anderen liegen ungefähr dazwischen.

Decathlon gibt für sein Paddel eine Größe von 565 cm² und Starboard für das Lima in L eine von 531 cm² an. Für die beiden anderen habe ich nichts gefunden. ViaMare ist aber deutlich größer und Aqua Marina kleiner als die anderen.

Hier noch einmal die 4 Blätter im Vergleich:

Was mich noch interessierte war das Geschwindigkeitspotential auf dem Wasser.

Kleiner Vergleichstest
Zunächst ein kleiner Beschleunigunsgtest. Ich habe mich dabei auf den Vergleich Starboard Lima gegen Via Mare beschränkt. Die beiden anderen waren im subjektiven Vergleich schon ausgeschieden.

Der Test lief nach folgendem Schema mit Hilfe meiner Fenix 5 und der Rundenfunktion ab:

  • Uhr starten
  • 10 oder 20 Schläge mit dem einen Paddel
  • Uhr stoppen
  • Paddel wechseln und warten bis das Board fast steht
  • Uhr starten
  • 10 der 20 Schläge mit dem anderen Paddel
  • Uhr stoppen
  • und so weiter

Der folgende Screenshot zeigt das Ergebnis. Ich hatte mit dem alten Via Mare-Paddel begonnen und dann auf das Lima gewechselt. Wobei das fast egal ist, da messtechnisch kaum Unterschiede zu sehen waren.

Beim Sprint konnte ich zwischen meinem ersten und meinem teuersten Paddel keinen großen Unterschied feststellen. Subjektiv kam mir das Via Mare spurtstärker vor. Gerade bei den ersten Schlägen ging das relativ große Blatt in Zusammenarbeit mit dem steifen Schaft richtig ab.

Beim Starboard Lima hatte ich den Eindruck, als ob es zuerst fast wirkungslos durchs Wasser gezogen wird. Bei höheren Geschwindigkeiten aber den Speed sehr gut hält. Vielleicht wirkt sich dort die Profilierung etwas aus, die erst bei Strömung aktiven Einfluss hat.

Einen wirklichen Sieger hat dieser Test nicht ergeben.

Es folgt eine kleine subjektive Einschätzung der einzelnen Paddel und Erfahrungen aus den letzten Touren:

ViaMare
Mit dem ViaMare habe ich gestartet und bin ausschließlich mit ihm ca. 3 Jahre gepaddelt. Dabei habe ich eigentlich vor allem gute Erfahrungen gemacht. Das Paddel ist steif und durch das große Blatt gibt es einen guten Vortrieb. Es ließ sich gut paddeln. Ein neueres kaufte ich vor allem, da es nicht gut in den Kofferraum paßte. (Preis war mit Versand ca. 50,-€)

Das ViaMare nehme ich auch gerne als Paddel auf der Dochnoch.

Decathlon
Das 3-teilige Paddel von Decathlon kaufte ich, weil es kleiner zu verpacken war und auch weil mir das Orange gut gefiel. Die 3-teilige Konstruktion hat sich zum Anfang und ca. 1 Jahr nicht negativ ausgewirkt. Nach einer knappen Saison merkte ich aber leichtes Spiel in der Steckverbindung zwischen den unteren Segmenten. Ansonsten mußte ich einige mal die Schraube am Klemmverschluss nachstellen. Die Verarbeitungsqualität ist eigentlich ganz gut. Aber das Blatt ist ca. 5° aus der Mittellinie gedreht. Insgesamt paddelte sich das Paddel aber gut und ich würde es Gelegenheitspaddlern durchaus empfehlen. (Preis ca. 40,- €)

Aqua Marina
Das Paddel habe ich zusammen mit dem Mistral Adventure gekauft. Das Paddel hat mich beim ersten Anfassen durch sein geringes Gewicht durchaus beeindruckt. Es hat aber eine Reihe von Nachteilen:

  • der Schaft ist nicht verdrehsicher
  • der Griff ist mir zu groß
  • das Blatt ist wesentlich zu weich
  • die Blattmittellinie hat eine Abweichung von ca. 10° aus der Mittellinie

Das Paddel zieht also auf dem einen Bug das Brett schneller in eine Kurve, auf dem anderen paddelt man dafür einfacher geradeaus. Das weiche Blatt führt dazu, dass man bei Zwischensprints oder bei Gegenwind den Eindruck bekommt, dass die ganze Energie verpufft.

Einen Preis für das Aqua Marina habe ich nicht. Ich habe aber optisch und der Beschreibung nach vergleichbare Paddel im Netz gefunden, bei denen Preise ab ca. 150,-€ verlangt werden.

Ich habe es eine Weile immer wieder probiert, weil es durch sein geringes Gewicht doch reizvoll war. Letztendlich ist es aber in der Ecke gelandet und wird nur genutzt, wenn wir noch ein weiteres Paddel benötigen.

Starboard Lima Tiki Tech Blue SUP Paddel 2teilig 2020 L
Auf das Lima bin ich über den youTube-Kanal von GetUp StandUp aus Kappeln gestoßen. Jens-Günter von Gersdorff erklärt in seiner lockeren Art gerne die Vorzüge des einen oder anderen Teils und hatte u.a. mal das Lima zum Thema. Und da er von ihm so begeistert war und ich was neues suchte und ich ihn insgesamt für recht glaubwürdig halte, wurde es eben ein Lima.

Das besondere ist wahrscheinlich vor allem die Blattform. Zum einen ist es in der Draufsicht nicht so birnenförmig wie viele andere Paddelblätter, sondern eher schmal und lang. Zum anderen ist da noch das Profil aus mehreren Konkaven. Und das Lima gab es auch in größerer Länge (max. 230 cm). Meine anderen Paddel waren mir manchmal den entscheiden Tick zu kurz (ich bin 1,88m groß).

Das Lima gibt es in verschiedenen Schafthärten. Ich habe es in der Härte S35 (S30 ist die härteste) gewählt. Und für das Lima habe ich noch das passende Starboard Lima SUP Paddel Blade Cover gewählt, um es im Auto nicht so schnell zu zerschreddeln. Das Cover soll komplett aus recyeltem Kunststoff bestehen.

Mit Cover bin ich bei ca. 250,-€ gelandet, habe den Kauf aber noch nicht bereut. Das Paddel paddelt sich leicht und macht insbesondere auf langen Strecken sehr viel Spaß. Also klar eine Kaufempfehlung.

In Summe bin ich also eigentlich mit 3 meiner 4 Paddel recht zufrieden und bis auf das Aqua Marina finde ich, jedes ist sein Geld wert. Beim Lima kann man überlegen, ob man den Kaufpreis eines einfachen iSUP für ein Paddel ausgeben will. Aber das sollte doch jeder für sich entscheiden.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.