Plötzlich war der Winter da

Plötzlich war der Winter da. Diesen Eindruck kann man zumindest gewinnen, wenn man den aktuellen Meldungen zum Bahngeschehen lauscht. Aber so plötzlich war es doch nicht, schließlich ist schon der 04. Dezember und bis Weihnachten dauert es nur noch 3 Wochen.

Für mich war der hereingebrochene Winter eine Freude und ich nutzte den halbfreien Sonnabend für eine Winter-Willkommenstour. Es war am Ende jedoch ein ziemliches Gewühle auf dem Bike und ich hätte vielleicht doch die Ski wählen können. Die Höhe der Schneedecke betrug im Schnitt 10 Zentimeter und auf dem ‘fred’ ging es meist nur mit ca. 10 km/h voran, teilweise auch noch langsamer. Aber auf Ski wäre ich wohl meist noch langsamer und so war das Bike doch die bessere Wahl.

Vom Heim ging es zunächst nach Norden zum Finowkanal und weiter zum Oder-Havel-Kanal, wo ich mir die Baustelle der neuen Steinfurther Brücke genauer ansah und einen Blick hinab auf die Schollen des Kanals fallen ließ.


(Finowkanal unterhalb der Schleuse Schöpfurth)


(an der Schleuse Schöpfurth findet derzeit eine Trockenlegung statt)


(Eis auf dem Oder-Havel-Kanal, links der Abz. Finowfurt, hinten die neuen Brücken der A11)

Durch den geliebten Hohlweg und den anschließenden Ackerweg fahre ich weiter Richtung Großer Buckowsee. Auf dem Weg durchquere ich erste “Tiefschneefelder” mit weit mehr als 10 cm zusammengewehter Schneehöhe, am See entlang rollt aber alles schön locker und der See selber ist auch nur zu einem kleinen Teil mit einer dünnen Eisschicht bedeckt, der Rest atmet ruhig.

Blick zurück zur neuen Steinfurther Brücke
(auf dem Hohlweg mit Blick zurück zur neuen Steinfurther Brücke)

Fred auf dem Hohlweg
(Fred auf dem Hohlweg, es geht mit einer leichten Steigung zur Autobahn)


(erster “Tiefschnee”)


(die Sonne kommt hier fast heraus)

Vom alten BEVAG-Heim am Großen Buckowsee nach Werbellin ist der Weg geschoben und so rolle ich hier wieder einmal etwas schneller. Aber schon ab dem Friedhof geht es weiter durch von sehr groben Stollen festgefahrenen Schnee und dann beginnt die Plackerei.

Der Verbindungsweg zwischen Werbellin und Altenhof, der mich zügig ans Ufer des Werbellinsees bringen sollte, ist tief verschneit und verweht. Der Schnee liegt hier teilweise 20 cm hoch und nur mit äußerster Kraftanstrengung geht es vorwärts.

Um etwas besser voran zu kommen, weiche ich manchmal auf den Acker rechts von mir aus. Der Schnee liegt hier wesentlich niedriger, dafür ist der Untergrund aber nicht mehr glatt und ich rumpel über die Ackerfurchen. Mehrfach wechsle ich hin und zurück, aber es will einfach nicht voran gehen und ich habe das Gefühl, daß ich hier meine letzten Körner verschieße.

Irgendwie bin ich dann aber doch nach Altenhof geschaukelt und es geht wieder besser voran. Hier eine Kuriosität am Rande: mir kommt auf einem Sandweg ein Schneeräumfahzeug entgegen, das auf den frei geschobenen Sandweg neuen Sand streut …

In Altenhof rutsche ich fast ausschließlich über den Rollwiderstand des Schnees gebremst zum Ufer des Werbellinsees hinab – Scheibenbremsen hätten es hier vielleicht gebracht, aber so etwas hat mein ‘fred’ nicht und die Maguras tun sich wirklich schwer mit den vereisten Felgen.

Irgendwie bin ich aber runtergekommen, ohne mich hinzulegen und kann jetzt entspannt am Südufer des Sees entlang fahren. Hier kann ich sogar behaupten, daß es rollt, denn der Schnee liegt zwar relativ hoch aber noch ziemlich locker. Gerade hier treffe ich aber noch auf Fußgänger, die mich fragen, wie ich denn so vorankomme, Schneeketten oder so. Allerdings komme ich eigentlich kaum voran, denn ständig muss ich anhalten und die Eiszapfen an Uferbäumen, Schilf oder Wurzeln bestaunen.


(Eisgebilde am Werbellinsee)


(auf dem Uferwanderweg am Südufer des Werbellinsees)

Am Süßen Winkel dann noch eine leicht nervige Begegnung. Ein Mann mit einem jungen neugierigen leinenlosen Hund kommt mir entgegen, als der Untergrund wieder schwieriger wird und ich komme genau wegen des Hundes, der an mir schnuppern will, vom Rad. Eigentlich nix weiter passiert, aber doch irgendwie nervig.

Bis hier bin ich jetzt schon knapp 2 Stunden unterwegs und so langsam merke ich, daß ich beginne auszukühlen. Daher beschließe ich, einen eher direkteren Weg nach Hause zu wählen und rolle zunächst am Werbellinkanal entlang und dann weiter auf den Radweg zwischen Eichhorst und Finowfurt. Hier rollt es sehr gut, da am Werbellinkanal frisch geschoben wurde und auf dem Radweg auch nur die 2 cm Neuschnee lagen, die über Nacht frisch gefallen waren.


(Schleuse Eichhorst)


(Unterwasser Schleuse Eichhorst)

Am Ende waren es 25 km in gut 2 1/2 und irgendwie habe ich das Gefühl, es könnte die letzte Offroad-Wintertour für 2010 im Barnim gewesen sein? Aber der Dezember hat ja noch 4 Wochen.

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Kettenriß

Das Thema Kettenriß hat für mich bisher noch nie eine Rolle gespielt und ich wunderte mich immer über Berichte von gerissenen Ketten, verlorenen Rennen, abgebrochenen Touren. Heute war es aber auch bei mir so weit.

Nach längerer Zeit haben Lust, Zeit und Ort zusammengepaßt und ich bin mit dem Bike raus aus der großen Stadt gefahren. Entspannt durch Wälder und entlang von Seeufern. Ich war erstaunt, wie locker es trotz der langen Pause doch lief. Was mich aber wunderte, war dieses komische Geräusch …

Nach gut der Hälfte der geplanten Strecke wunderte ich mich noch über etwas anderes, die Kettenspannung hatte stark nachgelassen und die Kette war auch noch abgesprungen. Und als ich die Kette wieder aufgezogen hatte, sah ich das Malheur:

Eines der Außenglieder der Kette war gerissen!

Da ich irgendwo im nirgendwo war, schob ich den anstehenden Anstieg erst einmal hoch und ab da ging es mit stark reduzierter Geschwindigkeit weiter. Immer wenn ich eigentlich Gas geben sollte oder wollte, wurde sehr entspannt weiter gerollt oder sogar geschoben. Nur ja die Kette nicht zu stark belasten, war die Devise. Meine Fahrzeit vergrößerte sich dadurch zwar, aber so kam ich doch noch ans Ziel ohne weitere Probleme.

Bootsbau

In den letzten Wochen war es hier recht ruhig, was vor allem daran lag, daß ich kaum aufs Rad gekommen bin. Eine Ursache waren die Probleme mit meinen Knien, die sich scheinbar aber endlich gelöst haben, die andere sind umfangreichere Arbeiten an der Dochnoch.

Hier gab es alte Baustellen, die noch zu Ende gebracht werden mussten und es taten sich auch noch neue Baustellen auf. Dazu kommen auch noch die normalen Winter- / Frühjahrsarbeiten.

Blick ins Vorschiff

Eine der alten Baustellen war die Verklebung zwischen den Seitenwänden und den Kojen. Die Schwierigkeit bei der Arbeit bestand vor allem in der Enge im Vorschiff, im vorherigen Putzen der angestrichenen Polyesteraußenwand und zum Schluß in der richtigen Dosierung von Harz beim Antupfen des Abreißgewebes. Von letzterem stammen die auf dem Bild erkennbaren Unebenheiten im Vordergrund.

Vorschiff

Eine neue Baustelle tat sich nach eingehender Begutachtung von Verklebungen rund um den Mast auf. Wie auf dem folgenden Bild zu sehen, sind die alten Polyesterverklebungen nicht mehr wirklich aktiv. Zudem war die Matte teilweise gerissen.

alte Verklebung

Nach der Demontage zeigte sich auch noch, daß das alte Schott wesentlich zu klein war und außerdem im unteren Bereich faulig. Ein kompletter Neubau mußte also her. Dieser wurde dann in ein Spachtelbett geklebt, es gab oben drauf Hohlkehlen aus Spachtelmassen und schließlich einen Streifen Diagonalgewebe und für das Finish wieder Abreißgewebe.

Nach dem Abreißen des Abreißgewebes sah es dann so aus:

neue Verklebung / neues Schott

Jetzt muß nur noch etwas geschliffen und schließlich lackiert werden.

Etwas Radfahren, ein Sturz, Wildbeobachtungen und dazu Neuland

Ich war heute noch gar nicht so lange auf dem Bike, als ich plötzlich die Leichtigkeit des Fliegens spürte und anschließend dumpf auf dem Weg aufschlug. Linke Seite Knie, Ellenbogen, Kopf hatten Bodenberührung und die Lunge wurde unangenehm komprimiert und ich dachte nur noch, Schei..e, das muß doch jetzt nicht sein, wie kann man nur so dämlich sein und dieses eine Loch im Weg nicht sehen … und das alles, nachdem ich fast 8 Wochen nicht mehr intesiv gefahren war. Heute sollte dochnoch entspannte Eingewöhnung sein und gerade die Knie nur locker belastet werden.

Durch den ersten Schock blieb ich noch etwas auf dem Weg liegen, ehe ich meine Knochen zusammenraffte und mich vom Boden erhob. Kurzer Check, ob alles noch geht und dann rauf aufs Bike und weitergefahren. Zum Glück wohl nur Schürfwunden unter den langen Klamotten. Die haben allerdings etwas gelitten.

Die Laune für den Tag war damit eigentlich hinüber, aber schon wenige Meter weiter kam die gute Laune zurück. Links neben dem Weg entdeckte ich einen Biber, der langsam einen kleinen Wasserlauf hinauftappte. Biber hatte ich schon oft am Finowkanal im Wasser und auch auf dem gegenüberliegenden Ufer erlebt. Diesen kleinen Dickwanst aber ca. 100 Meter vom Kanal entfernt zu beobachten, war schon etwas besonderes:


Am Nachmittag kam die Sonne raus, die bekannten Wege wurden unter die Reifen genommen. Dabei fuhr ich etwas parallel zur Bahn und kam dann …

… über die Schwärze. Auf der Brücke eine kleine Pause, bei der ich bemerkte, daß jemand Brotstücken auf das Geländer gelegt hatte. Und während ich noch über diesen Blödsinn nachdachte, kamen zwei Autos auf dem Waldweg vorbei. Das erste war ein kleiner Skoda, der einen fast schon größer wirkenden Anhänger mit Holz hinter sich herzog. Das zweite Auto war ein Duster, der mitten auf der Brücke anhielt, das rechte Fenster ging runter und ohne große Begrüßung wurde ich recht unfreundlich gefragt, ob ich das Brot dort hingelegt hätte und dann noch irgendein Nachsatz, der nicht zu verstehen war …

Was soll das jetzt? Wie kommt der Typ dazu, mich so anzuquatschen?

Na egal. Weiter geht es der Sonne entgegen. Auf den freieren Flächen bremst der Wind ungemein. Im Wald rollt es aber gut und ich komme so voran, daß ich beschließe, in Rüdnitz mal wieder etwas neues zu probieren. Schon länger hatte ich überlegt, wenn es denn insgesamt in die Tour paßt, mal in diese kleine Straße am Kreisel einzufahren.

Die ersten Meter zeigen, daß Rüdnitz mehr zu bieten hat als alte Bauernhäuser und die Riesenreihenhaussiedlung. Dann kommt ein Pferdehof und es geht auf einem Pfad voran, der sich schnell fast im Unterholz verliert und plötzlich stehe ich vor einem kleinen Wasserlauf:

Daß es ein Fließ aus Rüdnitz kommend Richtung Finow gibt, wußte ich, hatte dann aber nicht erwartet, daß kurz hinter dem Ort schon so viel Wasser drin ist und das Ganze in einem kleinen Einschnitt verläuft.

Über die Bohle komme ich neben den Widerlagern einer alten Brücke über das Fließ und stehe dahinter einfach so im Wald. Der Weg ist kaum auszumachen und ich muß auch immer wieder ein Paar Meter schieben, komme am Ende aber auf dem Berlin-Usedom-Radweg in der Nähe von Lobetal heraus und habe wieder ein für mich neues und interessantes Stück Barnim entdeckt.

Wintertour

Endlich kam der Winter ins Land und es gab etwas Zeit, diesen zu nutzen und auch lange nicht befahrenes Terrain nur aus Spaß zu besuchen. Da es allerdings nur der Vormittag zur Verfügung stand, sollte die Tour schon um 7.30 beginnen. Trotz der frühen Stunde fand sich aber doch ein Mitfahrer.

Von Pankow fuhren wir zunächst die bekannten Wege nach Norden bis zu den Karower Teichen. Auf dem Weg dahin ging ich allerdings schon schmerzhaft auf einer zugefrorenen Pfütze zu Boden und es wurde mir bewußt, daß es ja auch eine Rekonvalenzententour werden sollte. In den letzten Wochen hatte ich immer wieder Knieschmerzen am hinteren Bänderapparat, die ich auf Überlastung zurückführte und durch eine locker gefahrene Tour kurieren wollte. Naja, dies ist auf die Art etwas nach hinten losgegangen, weiterrollen konnte ich aber noch und der Spaß blieb angesichts des Wetters komplett erhalten …

Von den Karower Teichen kamen wir immer wieder durch Neuland, lange nicht befahrenes Gebiet oder aus anderen Richtungen auf bekannte Pfade und landeten schließlich am Mühlenbecker See, den wir umrunden und dabei vor allem die Wege auf der Westseite auf ihre MTB-Tauglichkeit bzw. Durchgängigkeit testen wollten. Openstreetmap behauptet ja, daß es dort eine Brücke über einen der Gräben gibt und dadurch ein Rundweg entsteht. Kurz nachdem wir allerdings zu dieser Brücke kamen:

und das Fließ tragend überquerten:

kamen wir immer tiefer ins Bruch und beschlossen, nicht weiter vorzustoßen und lieber eine Alternativroute zu suchen.

Im Sommer wäre der “Weg” wahrscheinlich in trockenen Jahren gerade noch zu begehen, wohl aber nicht zu befahren.

Nach der Durchquerung der Sumter Randgebiete hatte ich noch kurze Orientierungsschwierigkeiten und führte uns zwei mal in eine Sackgasse. Weiter fuhren wir über Mühlenbeck nach Bergfelde und zum S-Bahnhof Schönfließ, wo wir noch eine S-Bahn abwarten mußten, ehe hinter Schönfließ ein weiteres Highlight der Tour folgte. Der Weg am Fließ entlang ist aber sicher nur bei gefrorenem Boden oder im trockenen Sommer problemlos zu fahren.

Zurück fahren wir von da auf bekannten Wegen und kommen relativ zügig und vor allem pünktlich wieder in Pankow an und haben dabei sogar noch ein Paar Punkte für den Winterpokal gesammelt.

Morgens durch das Dunkel

Es ist zur Zeit noch das winterliche Einerlei, wenn ich kurz vor 6.00 Uhr das Haus verlasse, ist es noch stockfinster und scheint zum Wald sogar noch dunkler zu werden. Richtig hell wird es während der gesamt Fahrt nicht, zum Ende gegen 8.00 kann ich inzwischen aber schon ohne fetten Scheinwerfer fahren.

In Biesenthal habe ich heute einen kleinen Umweg genommen. Mir wurde dann aber auch bewußt, warum ich ihn so selten fahre – der Anstieg hoch zum Ort ist entweder eine Treppe mit langen Stufen oder eine oftmals rutschige Regenrinne – beides für mich nur bergab wirklich zu fahren.

Details am Wegesrand

Schöne Details am Wegesrand gab es heute zu entdecken, als ich gemeinsam mit meinem neuen Standartmitfahrer die zweite Hälfte des Supercommutingtages begann. Eigentlich ist ja Winter, aber da es immer noch keinen Schnee gibt, leuchtet das grün so schön, als würde der Frühling beginnen.

Mein Standartmitfahrer muß warten, ehe wir das Nonnenfließ weiter hinauf fahren können. Der Boden ist tief und saugt mir schnell die Kraft aus den Beinen und so spüre ich noch weit vor Bernau, daß es ein hartes Ende geben wird heute. Auch das Zuführen weiterer Kohlenhydrate hilft nicht viel, es will nicht mehr rollen und ich fühle mich ausgepowert.

Irgendwie kamen wir dann dochnoch im großen B an und zu Hause dauerte es dann noch über zwei Stunden, ehe ich die Tour halbwegs verdaut hatte …

Fahrt hinter die Stadt

Kurz vor dem Ende des Jahres zog es mich in den Wald hinter der großen Stadt. Der Zielort lag so, daß ich die große Stadt zwei mal durchqueren durfte und dabei meist oft befahrene Routen in der nachweihnachtlichen Trägheit erleben konnte.

Auf dem Hinweg kam ich zunächst zum ICC und von da weiter auf den Kronprinzessinnenweg parallel zur Avus. Im Gegensatz zum Sommer und zu Zeiten mit Tageslicht war es heute sehr leer aber nicht einsam, dies nicht nur wegen des neben mir strömenden Autoverkehrs sondern auch wegen einiger weniger Radfahrer im Gegenverkehr.

Mein Ziel lag südöstlich von Potsdam, so daß ich in Wannsee von der B2 Richtung Süden abbog, am Griebnitzsee vorbei und durch Potsdam Babelsberg fuhr und hier auf Neuland traf. Entlang einer Bahnlinie ging es auf schmalem Weg nach Süden weiter und schließlich durch Randgebiete von Langerwisch hinein in den Wald.

Die Rückkehr erfolgte ein Paar Stunden später und erstreckte sich Mitternacht. Und da es schon so finster war und ich keine Lust auf größere Umwege durch unbekannten Wald hatte, entschied ich mich für die Strecke durch Potsdam und dann immer auf der B2 entlang. Dabei kam ich auch über die berühmte Glienicker Brücke.

Dann kam die lange Steigung Richtung Wannsee, auf der ich mich auf dem Arbeitsweg schon das eine oder andere mal gequält hatte. Nach der Abfahrt ist schon Wannsee erreicht und gleich kommt die nächste Steigung. Erstaunlicherweise ist fast schon am Ende der Steigung eine Art doppelter Gipfeltunnel, aber es geht nur darum, die Radfahrer vom Straßenverkehr fern zu halten.

Mitternacht muß schon vorbei sein, als ich Steglitz durchquere. Außer ein Paar Taxis und einigen wenigen Autos sind die jetzt folgenden Unter den Eichen, Schloßstraße, Hauptstraße und dann auch die Potsdamer Straße sehr leer und es wird erst am Potsdamer Platz wird es wieder voller.

In Steglitz verläßt mich auch etwas die Kraft. Inzwischen sind über 80 Tageskilometer zurückgelegt und der Hinweg hatte einiges an Gegenwind zu bieten, der auf dem Rückweg aber nicht in Rückenwind umgemünzt wurde, sondern einfach verschwand …

Am Potsdamer Platz verlasse ich auch die B2 und fahre über die Wilhelmstraße zur Komischen Oper und weiter zum Palast der Republik … bzw. zum Standort des Palast der Republik. Hier bin ich etwas überrascht, ein Gebäude zu sehen. Die HumboldtBox soll wohl den Befürwortern eines Schloßaufbaus bei der Propaganda helfen.

Nach kurzer Betrachtung finde ich das Gebäude recht interessant, wenn auch etwas vorgewölbt und könnte es mir statt eines historisierenden Schloßnachbaus eigentlich ganz gut vorstellen, wobei die freie Palastfläche jetzt auch etwas hat und Ideen, dort ein Schwimmbad oder einen Yachthafen zu bauen einen noch größeren Reiz ausüben.

Die Tour endet nur kurz hinter der Volksbühne, allerdings ist dazu eine letzte Steigung auf den Prenzlauer Berg zu überwinden. Kraft ist eigentlich kaum noch vorhanden, die Oberschenkel fühlen sich absolut leer an und es geht nur zögerlich hinauf. Und als ich oben bin, rolle ich nur noch vor mich hin. Der Blick ist auf die Koje voraus gerichtet und die Uhr zeigt 1:53.

Curana CLite

In den letzten Jahren habe ich einiges ausprobiert, um ‘the brave’ mit geländetauglichen Schutzblechen auszurüsten. Neben verschiedenen Varianten von Steckschutzblechen (letzte Ausbaustufe ist hier zu sehen: Fahrt mit Freunden) hatte ich auch SKS Bluemels montiert, die mich aber sehr schnell komplett nervten und nur so lange gefahren wurde, weil ich keine Lust hatte, schon wieder zu schrauben.

Für Oliver hatte ich im zeitigen Frühjahr Bleche von ROSE montiert: Schutzbleche für Oliver, aber was soll ich sagen, auch die Dinger, obwohl sie auf den ersten Blick besser wirkten, nervten, weil die Bleche ständig von den Streben springen. Für Oliver habe ich eine Lösung gefunden, als ich im September über das Schlachthofgelände Storkower Straße geschlendert bin. Der dort ansässige Radhändler hat einfache Stahlstreben für 1,75 das Stück im Angebot, die ich erfolgreich am vorderen Blech von Oliver montierte. Das sieht vielleicht nicht mehr ganz so modern aus, wie die ROSEs, funktioniert im Gegensatz dazu aber.

Während der Suche nach DEM Schutzblech war es dann schön, daß ich beim Besuch bei der Berliner Fahrrad Schau Anfäng März an einigen Fahrrädern Curana CLite-Bleche sah, die mir auf den ersten Blick gefielen und auch recht stabil wirkten. Es dauerte allerdings noch bis zum Herbst, ehe ich das richtige Angebot fand und zum Montieren der Bleche kam.

Die Montage verlief am Hinterrad sehr einfach, da an der Sattelstrebe nur der oben gezeigte Halter aufs Blech geschoben und dann dort verschraubt wird. Am Vorderrad wehrte sich das Blech allerdings etwas gegen eine Montage. Das Blech ist zwar im Querschnitt leicht rund, für meine Gabel aber nicht rund genug, um mit der kurzen Befestigungslasche montiert zu werden. Daher stand vor der Montage eine kleine Biegesession an, die dem Blech rein optisch schadete, die Funktion aber wohl nicht beeinträchtigen wird.

Erste Fahrten verliefen sehr zufriedenstellend, da im Gegensatz zu den bisher verbauten Schutzblechen, Ruhe auch auf unruhigem Untergrund bestand. Leider hielt diese Ruhe nicht sehr lange an, denn schon bald zeigte sich, daß der oben abgebildete Halter mit der ihm anvertrauten Aufgabe einfach überfordert ist. Von Anfang an gibt es etwas Spiel zwischen Blech und Halter und dieses wurde allmählich immer größer, das Klappern dadurch aber auch.

Deshalb beschloß ich, das hintere Blech auch noch umzubauen. In der Werkstatt fand ich noch einen Halter eines alten Schutzblechs, mußte noch ein Loch in das Curana Bohren und alles wieder zusammenschrauben. Alternativ wäre natürlich auch ein kleiner Winkel gegangen. An der Stelle frage ich mich dann aber, warum der Hersteller bei dem sonst so gut gestalteten Blech, diesen komischen Halter eingepackt hat …

Heute kam das Blech auch zum ersten mal so richtig zum Einsatz als Schmutzfänger. Die letzten Wochen war es bei uns sehr trocken gewesen, so daß das Blech eher nutzlos durch die Gegend gefahren wurde. In den letzten Tagen hatte es aber mehr geregnet und so waren die Wege jetzt schön aufgeweicht und voller Pfützen. Das Fazit ist allerdings eher ernüchternd, der Körper bleibt zwar halbwegs sauber, das Fahrrad ist allerdings fast genauso eingesaut, als wäre kein Blech montiert. Wobei dies bei den vorher montierten Blechen aber ähnlich war. Vorteil gegenüber allen anderen Varainten ist aber, daß die Bleche jetzt absolut geräuschlos funktionieren und dabei auch noch recht gut aussehen bzw. unauffällig sind.

Zum Schluß noch das Gewicht und der montierte Typ: Curana CLite 26“, 55mm – 422 g

Bei der Gelegenheit habe ich auch die Schaltwerksrollen gewechselt und für mich festgestellt, daß es mit den gelöcherten Teilen eigentlich wenig Sinn macht. Die Paar gesparten Gramm sind kaum spürbar, in den Löchern setzt sich gerne der Dreck ab und hätten die Rollen keine Löcher, wäre ich sie wohl noch etwas länger gefahren.