Strichnavigation

Seit ungefähr einem halben Jahr benutze ich einen Garmin Edge 205 als Fahrradkomputer und auch zum aufzeichnen von Tracks, um gefahrene Routen nachzuvollziehen oder Fotos zu geotaggen. Aber der Edge erlaubt es auch zu fahrende Routen aufzuladen und diese dann nachzufahren und hilft somit unbekanntes Terrain zu erkunden.

Einen ersten Test dieser Möglichkeit habe ich am vergangenen Wochenende durchgeführt, wo ich mit einem Freund von Fürstenberg an der Havel zum Stechlinsee und von da weiter zum Stolpsee und entlang der Havel bis in den Barnim fuhr. Bevor man die Tour aber abfahren konnte, mußte ersteinmal eine Route her und diese auf den Edge übertragen werden. Routen können im Internet in allen möglichen Formaten gefunden werden. Ich plane sie dagegen oft mit einer digitalen Top50-Karte. Die Route liegt dann als Overlay vor.

Overlaydaten müssen vor der Nutzung auf dem Edge in das Garmin Course-Format umgewandelt werden. Dies kann zum einen online z.B. mit gpsies.com erfolgen oder aber auf dem Rechner mit kleinen Programmen wie Ovl2Crs von hapepo. Bei Ovl2Crs ist es allerdings erforderlich, das Overlay als ASCII zu speichern.

Die Vorarbeiten waren recht schnell erledigt. Spannender wurde allerdings das abfahren der gewählten Route, denn sie liegt beim Edge 205 nur als dicke Linie auf grauem Untergrund vor. Die eigene Position wird dabei durch einen kleinen schwarzen Pfeil angezeigt.

Dem Kurs zu folgen ist in eindeutigem Gelände kein Problem, solange der Knick in der Kurslinie ausreichend groß ist. Schwierig wurde es erst, als Entscheidungen zu treffen waren, wie z.B. an Weggabelungen, wenn die Wege nur ca. 20° Richtungsunterschied oder weniger hatten. Hier passierte es uns öfter, daß wir erst nach einer kurzen Strecke merkten, daß wir falsch waren. Und hier hätte vielleicht eine hintergelegte Karte, wie sie inzwischen bei fast allen neueren Geräten ladbar ist, hilfreich sein können.

Die Strichnavigation hat uns so den einen oder anderen Umweg beschert, aber die meisten bargen solch schöne Kleinode wie dieses Feuchtgebiet in der Nähe der Havel bei der Schleuse Schorfheide:

Insgesamt war es aber doch eine ganz witzige Sache, denn zusammen mit einer sowieso mitzuführenden Karte kann doch etwas flüssiger gefahren werden, als wenn man ur mit der Karte fahren würde. Weitere Strichnavigationsversuche werden also folgen.

Feierabendtour

An Tagen wie gestern, als die Sonne erneut vom wolkenarmen Himmel schaute und die Landschaft in frisches Licht tauchte, möchte ich nicht woanders wohnen als im Barnim. Alles lädt ein auf einen kleinen Ausritt auf dem il.pompino.

Ich starte gleich an der Bürotür und wende mich zuerst nach Norden. Durch Nordend geht es hoch zum Oder-Havel-Kanal, wo ich am Wassertor ein Paar Bilder mache. Das Wassertor wird in den nächsten Jahren ersatzlos abgerissen, weil es nach Ausbau des Kanals und dem Neubau des Wassertores am Pechteich nicht mehr benötigt wird.

Von da geht es über Britz, wo ich kurz auf einen Triebwagen der ODEG warten muß nach Golzow. Die lange Steigung hinter dem Ortsausgang von Britz quäle ich mich ziemlich. Ein kalter und relativ kräftiger Nordwind bläst mir entgegen und außerdem ist mein einer Gang nicht gerade für diese Steigung gemacht.

Hinter Golzow geht es dann weiter durch das Hügelland. Der Wind bremst und kühlt etwas, aber die Sonne brät mir so auf die linke Seite, daß es egal ist. Wie stark die Sonne schon wärmt, merke ich, als ich im Bereich der Bugsinseen im Wald verschwinde. Denn plötzlich verspüre ich am linken Bein so eine Kälte …

Ab Joachimsthal nehme ich die Straße am Nordufer des Werbellinsees und benutze auch den neuen Radweg. Normalerweise mag ich diese abgeschirmten Radwege nicht so (An Tagen wie …), aber heute interessiert es mich einfach, wo der Weg entlang läuft und wie es sich fährt.

Und ich muß gestehen, es fährt sich wirklich gut. Die Landstraße hat einen sehr rauen Asphaltbelag und kostet ordentlich Körner. Auf dem Radweg scheine ich aber 2 bis 3 km/h schneller zu rollen.

Der Radweg geht auch nur bis zum ehemaligen Jugendtouristenhotel parallel zur Straße und windet sich dann ein Paar Meter nach oben und verläuft oberhalb der Straße mit schönem Blick auf den See. Bei der Steigung überlege ich nur, wie sich die angepeilte Zielgruppe hier hochqälen wird, wenn die Fahrräder schwer und die Kräfte gering sind.

Dem Radweg folge ich entlang des gesamten Sees und finde die Strecke garnicht mal so verkehrt. Denn im Gegensatz zur Straße gibt es ab und zu kleine Schlenker und der Weg folgt auch jeder Bodenunebenheit, wo der Straßenverlauf nivelliert ist. Gleichzeitig wird mir aber auch wieder die Absurdität dieses Radweges bewußt, denn während der gesamten Zeit begegnen mir gerade mal 4 Autos (ca. 10 km).

Bilder gibt es auch, die sind hier zu finden: Feierabendtour

Modder und Schlamm

Gestern haben wir eine kleine Biketour unternommen und waren einmal mehr irritiert, wie einfach es geht, vormals gut fahrbare Waldwege völlig zu ruinieren. Nördlich des Üdersees schien große Holztechnik bei nicht wirklich tragfähigem Boden im Wald unterwegs gewesen zu sein.



Auf dem zweiten Bild sieht es relativ harmlos aus, aber die Tiefe der Rillen beträgt mehr als 5 Zentimeter und der Boden dazwischen ist auch nur oberflächlich fest, sowie man leicht einsinkt, scheint man wie über Quark zu fahren.

Da frage ich mich bloß wieder, wie noch irgendwer behaupten kann, daß die bösen Mountainbiker mit ihren groben Stollen den Wald zerstören.

Über Nordwest nach Nordost

Noch immer quält mich eine kleine Behinderung, die ich mir am vergangenen Wochenende auf schneebedeckten Hängen zugezogen hatte und so änderte ich all meine Bikepläne und versuchte herauszufinden, ob es nicht auch möglich ist, über Nordwest die große Stadt zu verlassen und anschließend über nette kleine Waldwege entspannt nach Hause zu fahren.

Etwas vergleichbares hatte ich vor gut zwei Jahren schon einmal getan. Allerdings war dies nach dem Ende des Sommers und nach einem langen Arbeitstag. Einen Teil dieser Tour habe ich auch hier: Berlin – Oranienburg – Liebenwalde schon beschrieben.

Heute sollte es zunächst noch weiter nach Westen gehen, dann aber eher geradlinig nach Nordost und ich wollte endlich die gesamte Briese abfahren.

Der Start in der Stadt ist sehr ruhig. Es ist halb 10, als ich die Stollen das erste mal abrollen lasse und die Stadt scheint nochzu schlafen. Fast ohne Verkehr geht es vom Kleistpark zunächst über die Grunewaldstraße nach Westen. Den Ferbelliner Platz habe ich gerade hinter mir gelassen, als meine Front auf einmal richtig matschig scheint, eine kurze Kontrolle ergibt einen Schleicher!

Leicht entnervt mache ich mich ans Schlauchwechseln – toller Tourbeginn denke ich. Der Conti Navigator wehrt sich dann auch noch beharrlich gegen eine Demontage – wußte garnicht mehr, daß der so schwer geht. Aber als ich noch am Fummeln und leisen Fluchen bin, hält eine Bikerin neben mir und bietet mir ihre Hilfe an. Das schien schon gereicht zu haben, denn gerade in dem Augenblick kommt der Mantel dann doch über den Felgenrand und ich kann den Schlauch wechseln.

Ab hier geht es nach Norden über kleine Straßen bis in die Siemensstadt. Hier folge ich dem Verlauf der alten Siemensbahn und frage mich, warum die keiner mehr aufbaut – denn obwohl Siemens wohl nicht mehr so viele Beschäftigte hat, könnten doch auch die Anwohner damit fahren und so schneller in die City kommen. Oder verlassen die ihr Heim nie?

In Spandau quere ich die Havel und arbeite mich auf topfebenen und ,Dank einer Kooperation unseres geliebten Asphaltklubs mit dem Senat der Stadt, oft auch asphaltierten Wegen nach Norden. Nur ein Paar nette Kilometer Trail entlang des Westufers des Niederneuendorfer Sees bringen Abwechslung.

Von Hennigsdorf bis Birkenwerder geht es weiter auf Asphalt auf dem Ostufer der havel. Hier gibt es nochmal zwei kürzere Stück Trail auf den ich dem Asphaltwahn entfliehen kann, ehe ich durch Nebenstraßen von Birkenwerder zur Briese komme. Die Briese scheint gerade viel Wasser zu führen, denn es reicht bis fast an Luxusweg.

Über die Rote Brücke überquere ich die S-Bahnlinie in Birkenwerder und kurz darauf auch den Berliner Ring Ring und endlich ist dieses ganze urbane und suburbane Gesiedel zu Ende, grenzenlose Natur umgibt mich. Naja, fast zumindest denn die Wege rechts und links der Briese sind ordentlich gepflegt und teilweise eingezäunt, aber immerhin nicht befestigt.

In mäßigem Galopp reite ich immer entlang dieses Kleinodes des Nordberliner Umlands, zuerst auf dem West, dann auf dem Ostufer. Das Tal ist zunächst relativ schmal und der Fluß windet sich auch etwas. Erst weiter im Norden wird es weiter, ehe es im Bereich des Lubowsees bzw. Zühlsdorfs richtig breit wird und die Wälder zurück treten.

An der Kreuzung mit der Landstraße von Lehnitz nach Summt ahne ich schlimmes, denn der Parkplatz ist voller Autos. Und richtig, immer wieder treffe ich auf kleine Gruppen urbaner Wesen, die so garnicht in diese Landschaft zu passen scheinen. Wie Fremdkörper stehen oder gehen sie und reden dabei laut, haben kaum mehr Gedanken frei, als für die eigenen Worte.

Aber die vielen Fußgänger nehme ich schon kaum noch war. Ich zähle zwar ihre Gruppenstärke und überlege, wie viele denn nun noch kommen werden, aber das läuft alles mehr wie in Trance. Ich merke mehr, wie ich langsam anfange zu kochen, gleichzeitig

Zühlsdorf umfahre ich im Norden, um dann parallel zur Bahnlinie nach Basdorf zu kommen. Hier meist „normale“ Wald- und Feldwege, aber kurz vor Basdorf wird der Trail spannender und wenn es feuchter wäre, siche rauch morastiger. Ab Basdorf geht es weiter entlang der Bahn, diesmal aber Richtung Nordost und dann hinein in die Basdorfer Heide.

Entlang ihres nördlichen Randes führt mich ein kleiner Pfad Richtung Osten. Immer wieder muß ich absteigen und mein Bike über Bäume tragen. Sind dies noch die Reste von Kyrills Werk oder liegen die Stämme hier schon länger?

Es geht weiter Richtung Waldsiedlung durch den Wald. Und hier könnte ich mal wieder kotzen, denn irgendwelche Deppen haben mehrere Haufen mit Sperrmüll in den Wald gekippt! Erschießen müßte man sie, nachdem sie alles wieder rausgeräumt haben.

Im Bereich der Waldsiedlung noch ein netter Trail, der sich auf der Innenseite der alten Begrenzungsmauer entlang schlängelt. Teilweise ist er kaum zu sehen, aber die Mauer dient immer als Orientierung. Ich rolle teilweise schon wie im Delirium umher und überlege, wie ich es so noch bis in meine Heimat schaffen soll, aber beim überqueren der B273 habe ich plötzlich so einen herzhaften Geruch in der Nase und das Parkstübl zieht mich magisch an, ich kann heute einfach nicht vorbei fahren.

Als ich dachte, jetzt müsse aber langsam das Essen kommen, verdunkelt es sich draußen plötzlich und zwei schwarz gekleidete Herren treten ein … und ich treffe Acke und einen seiner Kameraden vom ESK

Ab dem Parkstübl geht es die letzten 30 Kilometer über bekannte Wege vorbei am Liebnitzsee, wobei ich den netten Ufertrail wegen der vielen zu erwartenden Fußgänger auslasse, weiter nach Ützdorf, Prenden und Richtung Buckowsee. Kurz vor dem Buckowsee bekomme ich aber nochmal die Krise: der bisher immer so gut fahrbare Waldweg wird neu geschottert mit einem Sand-Splittgemisch. Die Arbeiten laufen noch, denn nur auf dem ersten Kilometer ist das Material verteilt, weiter hinten liegen große Haufen, die nur etwas breit gefahren sind – aber mußte das eigentlich sein?

Ein letzter Schlenker runter an das Ufer des Buckowsees. Er liegt wie immer verträumt inmitten der Bäume und lädt eigentlich … eigentlich nicht zum Baden ein, denn das Wasser ist verdammt kalt.

Am Ende stehen gut 90 Kilometer auf der Uhr und mein Pferdchen hat mich trotz des Plattens zu Beginn zuverlässig nach Hause gebracht und ich freue mich auf weitere gemeinsame Touren.