Durch eisige Weiten

Lange habe ich dieses Projekt vor mir hergeschoben, ich hatte Angst vor dem Schnee, Angst vor der Kälte, Angst vor der minimalen Winterform, aber heute nun war der Wunsch, es endlich zu wagen größer als alle Ängste und so brach ich nach der Arbeit zur bisher längsten Tour dieses Winters auf. Schon kurz hinter der Bürotür ging es in tiefen Schnee und entlang der Schwärze nach Süden. Die benutzbare Spur war schmal und immer wieder rutschte ich in den tiefen verharschten Schnee rechts oder links davon.

In Spechthausen fahre ich ein kurzes Stück über glatten Asphalt, die Nokians surren über die harte Oberfläche und freuen sich, als es am Nonnenfließ endlich wieder in den Schnee geht. Die ersten Meter rollt es hier perfekt, da der Förster eine breite glatte Spur bis zu seinem Anwesen festgefahren hat. Direkt dahinter wird der Weg wieder zu einem buckligen schmalen Schneepfad, bei dem auf beiden Seiten tiefe Schneeabgründe lauern und ich nur noch langsam fahren kann.

Das Nonnenfließ hat scheinbar noch nicht mitbekommen, daß starker Frost herrscht, denn noch immer sprudelt das Wasser unbekümmert vor sich hin. Ich dagegen kämpfe hart um jeden Meter auf dem Pfad. Es gelingt mir dabei aber immer besser die Spur zu halten. Ich muß vor allem darauf achten, den Blick weit voraus schweifen zu lassen. Sowie ich nur noch kurz vor mein Vorderrad blicke, zieht es mich nach links oder rechts und ich kann mich nur mit Mühe durch die feste Schneedecke wuchten.

Richtung Schönholz geht es dann über einen wenig befahrenen Waldweg. Mittelschwere Technik hat eine breite Spur in den Schnee gedrückt, richtig voran geht es aber trotzdem nicht. Denn fest ist der Schnee nur auf einem schmalen Streifen, der durch PKW-Reifen geformt wurde. Daneben sinken meine Reifen stark ein und und bremsen mich aus.

Ab Schönholz beginnt es plötzlich zu rollen. Hier scheint ordentlich Verkehr im Wald zu herrschen und es ist eine breite glatte und feste Spur vorhanden, auf der ich fast besser vorankomme als auf dem festgefahrenen Sand vom Sommer. Schnell gleite ich durch den Schnee und erreiche Grünthal. Es folgen einige Kilometer auf Asphalt und erst bei Ladeburg sind die Nokians wieder die richtige Wahl. Über Nebenstraßen und Feldwege mit fester Schneedecke geht es durch den Speckgürtel immer weiter in Richtung Hauptstadt.

Spät war es geworden, als ich die Stadtgrenze zum großen B überschritt und so half mir spärliches Licht für die letzten Kilometer. Mit der Dunkelheit kam auch die Kälte. Die Temperatur macht einen Sprung von fast 5°C nach unten und ich habe immer größere Schwierigkeiten, meine Füße halbwegs beweglich zu halten. Bei -9°C sind die alten GAERNEs einfach überfordert. Und so steige ich ab und laufe entlang der Panke einige Meter und lockere alles wieder.

Nachdem ich dann auch noch 2 Rehe fast umfahren konnte, die es wohl einfach nicht fassen konnten, daß außer ihnen noch jemand in dieser Nacht unterwegs ist, komme ich wieder in dichter besiedelte Ecken, bin genervt von den Autofahrern aber auch froh, das Ziel fast erreicht zu haben. Und die Bilanz ist erfreulich, denn mit knapp 3 Stunden Fahrzeit habe ich kaum länger gebraucht als bei mancher Regen-Gegenwind-Modder-Tour im Herbst oder Frühjahr.

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