unterwegs auf dem Langlaufboot

Inzwischen könnten wir fast von einer Tradition sprechen, denn bereits im dritten Jahr in Folge verschlug es mich auf ein Langlaufboot und mit diesem und Eigner Schmidti am 29. September nach Prenzlau. Der (Segel-Club Rot-Weiß Prenzlau e.V.) lud einmal mehr zur Piraten- und Ixylon-Regatta auf den Unteruckersee nach Prenzlau, wobei in diesem Jahr der Schwerpunkt noch deutlicher in Richtung Pirat geschoben war. Das wurde bei der Zahl der gemeldeten Boote (20:3) aber vor allem auch bei der Eröffnung deutlich, die mit dem Piratenschlachtruf beendet wurde.

Seglerisch war es in diesem Jahr etwas anspruchsvoller, da sich der Wind im Lauf des Tages von 0 auf ca. 6 Bft steigerte und einige Teams arg an ihre Grenzen kamen, sowohl was das Material als auch die Bootsbeherrschung betraf. Der Kampf mit dem Gegner wurde dagegen leichter, denn es gab für uns eigentlich nur einen. Das zweite Schiff kämpfte mehr mit sich und dem effektiven Segeln, als dass es in die Entscheidung eingreifen konnte.

Da ich wusste, dass unser verbliebener Gegner recht schnell sein kann (offen sind allerdings die Mittel, denn so wie es schien, entsprachen die Segel – speziell der Spi – nicht ganz dem, was bei XY erlaubt ist), konzentrierte ich mich bei der ersten Wettfahrt voll auf ihn.

Der Start war sehr bojenbetont, und so versuchte ich gleich hier unseren Freund so zu bedrängen, dass für uns ein kleiner Vorteil herausspringt. Das gelang gut, auch wenn unser Start nicht optimal verlief. Gleich nach dem Start konnten wir so in die Manndeckung übergehen.

Richtig abhängen konnten wir ihn allerdings nicht, und so gingen wir zwar mit einem kleinen Vorsprung um die Eins, kurz danach hatte ich aber schon das Gefühl, dass er uns bis zur Drei noch mal richtig bedrängen wird.

Und so kam es auch, ca. 100 Meter bevor wir die Boje runden mussten, war er gleichauf und wir mussten hart kämpfen, um ihn nicht vorbei ziehen zu lassen. Unseren Kurs hatte ich vorher allerdings schon so gewählt, dass er, wenn er vorbei kommen sollte, in Luv wäre und wir außerdem auch die Boje in Innenposition anlaufen.

Beim Bojenrunden kam er uns dann so nahe, dass ich mich arg bedroht fühlte und massiv "Raum" fordern musste. Dabei kam es noch zu einer kleinen Berührung, und die Jungs kamen auch beim Spi runter nehmen durcheinander. So hatten wir gleich zwei Vorteile auf unserer Seite. Unser Gegner war allein durch die Bojenrundung schon zurückgefallen und musste zudem noch kringeln, das ihn weitere Meter kostete.

Den Rest der Wettfahrt passierte nicht mehr viel. Auf der langen Kreuz hoch zur Boje 1 wurde unser Vorsprung allmählich größer, unser Freund vergaß das Kringeln und so gingen wir relativ entspannt auf den verbliebenen Vorwindkurs. Unser Vorsprung schwand Vorwind zwar noch einmal etwas, war aber an der 3 noch so groß, dass wir locker ins Ziel kreuzen konnten.

Für die zweite Wettfahrt änderte ich die Taktik etwas. Der Start war noch immer sehr einseitig ausgelegt und die Boje bevorteilt. Ich hätte also genau wie bei der ersten Wettfahrt wieder auf Manndeckung fahren können. Da ich aber beobachtet hatte, dass unser Freund immer, wenn er auf unserem Bug und in unserer Nähe fuhr, am wenigsten abzuhängen war, konzentrierte ich mich mehr darauf, den für uns optimalen Kurs zu wählen, und so die wenigen taktischen Möglichkeiten, die der Kurs bot, effektiv zu nutzen.

Bis zur Eins fuhren wir auf die Art einen ordentlichen Vorsprung heraus und gaben von diesen im gesamten Verlauf der Wettfahrt nicht mehr viel ab. Unter Spinacker verloren wir etwas, auf der Kreuz holten wir aber noch mehr wieder heraus, und somit war unser zweiter Tagessieg nicht gefährdet.

In der dritten und letzten Tageswettfahrt sah es für uns dann aber schlecht aus, denn unmittelbar vor dem Start hatte sich die Fockschot gelöst, und das Schothorn schlug wild gegen den Mast. Durch die folgende Bastelei fuhr unser Gegner scheinbar uneinholbar davon, und uns blieb nur, ordentlich Gas zu geben.

Der Wind hatte allerdings etwas zugelegt, und durch kleine Trimmveränderungen machten wir das Schiff noch etwas schneller als zuvor. Dazu spielten wir aber auch den Vorteil unseres Kampfgewichts von mehr als 100 kg am Draht voll aus.

Um den Gegner kümmerte ich mich erst einmal wenig, stattdessen versuchte ich für die Kiste das Optimum an Höhe zum Wind und Geschwindigkeit zu finden und gleichzeitig die Dreher perfekt auszunutzen. Dies scheint gelungen zu sein, denn Schmidti meinte, so schnell wäre er noch nie mit diesem Schiff gefahren, und wir kamen bis auf ca. 30 Meter an den anderen heran.

Nach der Boje war dort wohl ruhiges Segeln angesagt und der Spi blieb unten. Vielleicht hatten die Jungs auch einfach etwas Angst? Ein Langlaufboot richtet sich ziemlich schlecht wieder auf, gerade auch
wenn der Spi oben ist.

Bei uns gab es allerdings keine Frage, ob oder ob nicht, und so zogen wir gleich nach Boje den Turbo und überholten die andere Ixylon zügig. Bis zur Boje zwei hatten wir so auch wieder einen kleinen Vorsprung herausgefahren. Das wurmte die Jungs dann aber doch etwas, und so zogen auch sie ihr blau-weißes Tuch. Es half aber nicht mehr viel, denn bis zur Drei verhinderten sie nur, dass der Vorsprung noch größer wird.

Ab hier war es dann ein leichtes. Wir achteten auf unseren Trimm und den optimalen Kurs, und so vergrößerte sich unser Abstand
immer mehr und betrug, als wir wieder oben an der Eins waren, über 200
Meter.

Jetzt war es aber an uns, nichts mehr zu riskieren. Der Wind hatte noch etwas zugenommen und da auch wir wenig Übung bei diesen Verhältnissen hatten, schauten wir erst, was die anderen machen. Aber dort wurde kein buntes Tuch mehr gesetzt, und so lullerten wir recht entspannt wieder runter zur Drei und dann ins Ziel. Fertig!

Denn mit diesem dritten Tagessieg hatten wir den Pokal erneut in der Tasche. Sollte morgen noch etwas gesegelt werden, wäre es egal, wo wir landen.

An Land klärten wir noch die Sache mit dem Protest, aber der Wettfahrtleiter meinte, lassen wir mal fallen, schließlich habt ihr doch alle drei Wettfahrten gewonnen… Wir überlegten aber auch, wie wir es morgen machen würden, und wir kamen zu dem Schluss, dass Schmidti mit seiner Familie zurückkommen wird und bei entsprechenden Bedingungen mitfährt und ich den Tag MissK schenke.

Am Sonntag kam für Schmidti eine kleine Überraschung – unsere Gegner tauchten nicht auf und der Wettfahrtleiter wollte den gerefften Langläufer nicht allein starten. Also segelte Schmidti mit seinen 3 Frauen eine Runde über den See und machte alle etwas nass. Aber die Kleinen schienen zumindest etwas Spaß zu haben.

Zur Siegerehrung wurde dann noch einmal deutlich, was wir in den vergangenen Jahren auch schon gemerkt hatten. Man wird hier als XY-Segler gerne mal vergessen. Denn bei der Siegerehrung fiel es plötzlich, nachdem die Piraten sich schon alle einen Preis genommen hatten, jemandem auf, dass es ja auch bei den XY einen Sieger und zwei Platzierte gab. Für die blieb dann gerade noch der Pokal übrig.

Und auch zum Ende gab es wieder ein Hacke: Peil!

Soll man also wieder nach Prenzlau fahren? Ich auf keinen Fall, denn für mich stand schon im letzten Jahr fest, dass es nur 3 Siege geben kann. Und der sportliche Wert der Regatta ist für mich relativ begrenzt, auch wenn so ein Sieg gut tut und das Revier sehr schön ist.

Schmidti überlegt noch, wenngleich auch ihn diese Vergesslichkeit sehr nervte, denn irgendwie will man mit seiner Klasse schon voll genommen werden, auch wenn es nur so wenige zum Start schaffen.

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