Letzte Helden 2007

Bei den letzten Helden ist die Startzeit ab und zu zu ungewöhnlich früher Stunde. So auch in diesem Jahr, wo die Tide um 10.22 Uhr ihren höchsten Stand hat und der Start demzufolge schon gegen 8.30 stattfinden sollte. Das hieß für uns vor allem früh treffen und das Boot noch im Dunklen aufbauen und dann bald nach 7.00 fürs Slippen bereit machen.

Aber es sollte anders kommen, denn Christophers Wecker hatte wohl im Rahmen der Zeitumstellung von letzter Woche komplett die Orientierung verloren und so war er erst wach, kurz bevor ich ihn anrief. Der Schlaf muss anschließend aber noch etwas nachgewirkt haben, denn er fuhr erst einmal aufs falsche Elbufer und sah von dort die Schiffchen vor sich auf dem Wasser schippern und fragte sich, wie er wohl am besten hinüber kommen sollte.

Als er dann endlich da war, hieß es für uns noch etwas bauen. Das Gelenk des Pinnenauslegers war zu ersetzen, wofür Christopher das Teil besorgt hatte. Die Demontage hatte ich zu Hause schon vorbereitet, damit es jetzt schneller gehen sollte – wollte es aber nicht. Der kleine Gummifreund stellte sich überaus widerspenstig an und wollte auf keinen Fall weit genug in das Rohr des Pinnenauslegers rutschen. Unsere Bordmittel halfen uns hier nicht, aber zum Glück gab es einen Helfer im Verein, der uns schnell und unproblematisch aushalf und so konnten wir mit einiger Verzögerung ablegen, als die ersten schon wieder vom Wasser kamen.

Als wir dann endlich auf dem Wasser waren, war der Tag dann auch schon fast gelaufen, denn es gab nur noch ein Rennen, ehe das Wasser aus dem Mühlenberger Loch wieder weitgehend verschwinden sollte. Dieses Rennen lief aber ganz gut, wir hatten uns schnell wieder aufeinander eingestellt und konnten uns mehr den Gegnern als unserem Schiff widmen und wurden so 15.

Der Tag hatte eigentlich noch gar nicht richtig begonnen, als wir gegen halb Zwölf schon wieder an Land waren. Aber zum Glück gab es zu unserer Meldung auch noch ein Ticket für die Bootsmesse und so machten wir uns am Nachmittag auf zu einem Besuch in den Hamburger Messehallen.

Da trafen wir dann unseren halben Verein, waren von der Messe aber doch eher enttäuscht. Es standen zwar einige Schiffe herum, diese stammten aber nur von relativ wenigen Herstellern und es gab kaum etwas unter 10 Metern Länge. Die Beneteau 25 kannte ich schon vom Segeln und die polnischen Wohnschiffe sind nicht so mein Ding und so erregte am ehesten noch die Biehl 8.8 mein Interesse – ein Daysailor mit knapp 9 Metern Länge und einem sehr klassischen Aussehen.

Richtig spannend wurde es aber erst bei bartels.eu, Ronstan und Harken, wo Beschläge, Blöcke und sonstiger Technikkram herumlag und die eine oder andere Idee für die nächsten Modifikationen an der Dochnoch gebaren. Abends ging es noch zu Freunden und dann immerhin schon gegen Mitternacht in die Koje, denn auch am Sonntag sollte es relativ früh losgehen.

Der Start war diesmal allerdings eine Stunde später angesetzt und außerdem alles schon aufgebaut und so konnten wir den Tag ruhiger beginnen. Erst auf dem Wasser drehten wir richtig auf, legten einen sehr guten Start und Startkreuz hin, kamen unter den ersten zehn an die Luvtonne und lagen im Ziel nachher auch auf dem 10. Platz – das hieß nur knapp das Erste Drittel verpasst für den Klassiker!

Im zweiten Rennen am Sonntag läuft es dann zunächst noch wesentlich besser. Wir starten wieder mittig auf der Linie und ziehen mit freiem Wind weit nach links hoch bis zur Fahrrinne. Da umgelegt und wir können die Boje fast anliegen. Der Wind dreht ähnlich wie im vorherigen Rennen leicht nach links und so machen wir richtig viel gut, kommen als zweiter an die Boje.

Spi hoch und vorwärts, dem ersten hinterher. Dann wieder die Entscheidung: links oder rechts? Ich entscheide rechts zu fahren, was ich aber nach einigen Metern bereue, denn alle, die links oder einfach nur geradeaus gefahren waren, sind an uns vorbei… Egal, auch auf der zweiten Kreuz halten wir uns wieder eher links und können noch einmal einiges gut machen, kommen wieder vor bis ungefähr zum 8. Platz und runden so die Boje.

Zum dritten Sonntagsrennen verschwand der Wind langsam und wir bekamen Probleme mit dem Schiff – es lief mehr Wasser durch die Lenzer rein, als wir irgendwie wieder herausbekamen und so sanken wir langsam. Nur auf ganz wenigen Abschnitten wurden wir die braune Brühe wieder los.

Aber auch seglerisch lief es in diesem Rennen nicht. Auf der Startkreuz fuhren wir nicht weit genug nach links, unter Spi lief es auch nur so lala und dann war es auch schon fast unmöglich, noch mal weiter nach vorne zu fahren.

Am Ende lagen wir in der Gesamtwertung doch wieder hinter der Mitte, aber wie soll das auch viel anders sein, wenn man von vornherein zwei Streicher produziert … Nach dem ruhigen Einpacken und etwas dösen in der Sonne, wollten wir eigentlich noch bis zur Siegerehrung bleiben. Aber als es um drei noch nicht so weit ist, packt mich die Unruhe und wir fahren los, einige Stunden mit 80 km/h lagen da ja noch vor mir.

Helden und Letzte Helden

Es gibt Helden und es gibt Letzte Helden.

Ich weiß nicht genau, wo der Unterschied liegt, aber schon morgen sollte ich eine Ahnung davon haben, was er sein könnte. Denn morgen in aller Frühe werde ich mich aus den warmen Armen des Bettes befreien und mich dem Wind entgegen werfen und ein letztes mal in diesem Jahr meinen 505-race-Klassiker zu einer Regatta bewegen.

Die Letzten Helden in Hamburg haben inzwischen schon eine vieljährige Tradition als letztes 505-event im Norden. Und die Regatta erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Mein erster Besuch dort war noch überschattet vom Bau der Verlängerung der Startbahn für den A380 bei den Airbuswerken in Hamburg.

Denn die Verlängerung betraf direkt das Segelrevier Mühlenberger Loch und die Gerüchte gingen sogar so weit, daß das Segeln dort überhaupt nicht mehr möglich sein soll! Aber so schlimm kam es nicht und so wird fleißig jedes Jahr im Herbst die Werbetrommel gerührt und in diesem Jahr hat sie zwanzig 505 und diverse andere Jollen angelockt.

Und in diesem Jahr wird nichts dazwischen kommen, wie es im letzten Jahr passierte. Nur wenige Tage bevor es los gehen sollte, brach bei uns in Ost-Brandenburg der Winter herein, pulverte alles mit einer dicken weißen Pracht und schlug am heftigsten an dem Abend zu, als ich losfahren wollte. Die Straßen waren ein einziges Schneechaos und nachdem ich für die ersten 10 Kilometer fast 30 min benötigt hatte und auch noch zwei heftige LKW-Unfälle gesehen hatte, gab ich auf.

Der Wetterbericht ist dieses Jahr wesentlich milder aufgelegt. Vorhin habe ich noch in Ruhe bei gut 10°C das Schiff eingepackt und jetzt geht es nochmal in die Koje, fit werden für morgen, denn kurz vor 4.00 klingelt der Wecker.