Hundert

Gestern war es endlich so weit, daß ich den ersten Tag in diesem Jahr hatte, an dem ich mehr als 100 Kilometer auf dem Bike zurückgelegt hatte. Am Morgen war ich auf bekannten Wegen und bei leicht feuchtem Wetter zur Arbeit gefahren, am Nachmittag sollte es aber wenigstens auf Teilstrecken etwas neues geben.

Von Eberswalde kommend, startete ich zunächst nach Süden parallel zu den von mir schon so oft gefahrenen Wegen und mußte vor Klobbicke meine Schwimmfähigkeit beweisen.

Danach ging es durch mir fast unbekannten Wald weiter und ich schlängelte mich durch einen feuchten Robinienhain, ehe sich der Weg irgendwann verlor und ich bei Beerbaum auf Asphalt stieß und damit auch gleich einen Zipfel des Landkreises Märkisch-Oderland streifte.

Von hier fuhr ich auf bekannten teilweise befestigten, teilweise unbefestigten Wegen und Straßen weiter und am Ende waren es 102,5 Kilometer auf breiten Reifen und ich war ziemlich fertig.

Wat bist Du für ne Made?

Den Wetterfröschen zufolge sollte es heute den letzten richtig warmen Tag des Sommers geben und so machte ich mich am Morgen wieder einmal auf den Weg, die Arbeit ausschließlich auf dem Rad zu erreichen und auch wieder zu verlassen.

Wie immer startete ich in Pankow an den Fischteichen und fuhr anschließend über die Ludwig-Quidde-Straße und die Straße 74 zur Brücke über die Autobahn. An der Einmündung der eine in die andere wunderte ich mich, einen relativ schnellen Radfahrer im Querverkehr zu sehen und wunderte mich dann auf der 74, als ich von einem weiteren überholt wurde. Sonst sah ich hier maximal ein Auto.

Nach Überqueren des Autobahnzubringers A114 geht es weiter parallel zur Panke, zuerst auf einer Straße, dann auf einem Kies-Schotterweg. Ich lasse mich vom Tempo der anderen nicht beeindrucken, sondern ziehe in Ruhe meine Bahn. Trotzdem überhole ich den ersten bald und habe den zweiten an der Pankgrafenstraße eingeholt, da er auf Grund heftigen Autoverkehrs hier warten muss.

Danach geht es auf sehr feinem Schotter weiter, so daß ich das Herkelmann rollen lassen kann. Der vormals so schnelle zieht aber nicht wieder an, sondern rollt knapp vor mir, so daß ich mich einfach an ihn ranhängen kann.

Dies scheint ihn irgendwie zu irritieren, denn er dreht sich erst kurz um, läßt sich dann zurückfallen und fährt schließlich hinter mir. Diese Position gefällt ihm aber anscheinend auch nicht, denn kurz darauf überholt er mich wieder, setzt sich jedoch wieder nicht richtig ab und so hänge ich gleich wieder an ihm dran.

So rollen wir für einige 100 Meter hintereinander her, ehe er sich erneut zurückfallen läßt und mir während er neben mir ist, so etwas zublubbert wie: "Wat bist Du für ne Made?" und wieder leicht beschleunigt, um vor mir her zu fahren.

Was er mir damit genau sagen wollte, weiß ich nicht. Aber es blieb auch keine Zeit mehr, es herauszufinden. Denn kurz nachdem wir die A10 überquert hatten, biegt er nach links in den erst vor kurzem asphaltierten Weg ein, während ich weiter Richtung S-Bahnhof Buch rolle.

Ab hier habe ich wie immer die Qual der Wahl für den Weg bis Bernau. Einen richtig schönen, für das Herkelmann tauglichen, habe ich noch nicht gefunden und so entscheide ich mich heute wieder für den Weg über die alten Rieselfelder, auf dem ich zwar keinen schönen Untergrund habe, aber dafür meine Ruhe.

Auf der weiteren Strecke bis Bernau und im Endeffekt sogar Lobethal nervt dann der Verkehr. Scheinbar waren in der letzten Woche noch nicht alle Verkehrsteilnehmer aus den Ferien zurück, denn es herrschte bei weitem nicht so ein starker motorisierter Individualverkehr wie am heutigen Morgen.


Radweg Rüdnitz-Wullwinkel

Von Rüdnitz bis Wullwinkel kann ich dann wieder den neuen Radweg auf der Ostseite der L200/B2 benutzen. Eigentlich finde ich es nicht sinnvoll auch für Radfahrer riesige Mengen Asphalt in der Natur auszuwälzen, aber wenn der Weg von der Richtung paßt und vor allem auch ohne Verkehrsgefährdung zu erreichen ist, nutze ich ihn doch.

Und dann geht es auf der B2 bis Eberswalde durch. Einzige Abwechslung im Bereich Melchow, die Schranke ist mal wieder runter und statt auf ihr Öffnen zu warten, fahre ich lieber links in den Waldweg und schaukel dann auf für das Herkelmann eigentlich nicht geeignetem Grund entlang. Nach 48 Kilometern und 1:45 h gelange ich schließlich ins Büro.

Am Nachmittag habe ich zunächst Schwierigkeiten, mich für die Rückfahrt aufzuraffen und weil ich auch keine Lust auf große Umwege habe und es zudem schon relativ spät war, entscheide ich auf der B2 zu beginnen.

Hier will es zuerst aber garnicht rollen und ich quäle mich mit mittlerer Geschwindigkeit dahin. Der Verkehr nervt zum Glück relativ wenig, scheinbar sind die Schranken oft genug unten und so entstehen zwischen den

Erst hinter Bernau wird die Fahrt flüssiger. Hier herrscht allerdings schon wieder sehr starker motorisierter Individualverkehr und ich frage mich, ob es nicht doch die falsche Idee war, der B2 weiter zu folgen. Aber auf den Berlin-Usedom-Radweg, der von Bernau Richtung Berlin führt, hatte ich heute keine Lust. So richtig voran kommt man auf ihm zwischen Bernau und Buch nämnlich nicht, da er einen Haken nach dem anderen schlägt.

So bleibe ich also weiter auf der B2, überquere die A10 und durchquere schließlich den Rand von Lindenberg. Ab hier gibt es auch wieder einen neu gebauten Radweg, den ich auch heute gerne nutze. Ich verlasse ihn erst kurz hinter der Mühle, wo ich nach rechts Richtung Karow von der B2 abbiege.


kurz vor Karow

Erneut ist es nicht der beste Weg für das Herkelmann, aber mit gemäßigter Fahrweise komme ich doch gut durch. Der Weg ist für mich übrigens Neuland, ich bin ihn zwar irgendwann, als ich im Blankenburger Pflasterweg wohnte, schon einmal gefahren, die Erinnerung daran war aber komplett verschwunden.

Vorbei am S-Bahnhof Blankenburg geht es weiter auf die bekannten Wege entlang der Fischteiche. In Pankow angekommen kann ich dann noch mal den Mechaniker spielen, eine junge Radfahrerin steht mit ihrem Kohlefaserrenner am Straßenrand und hat ne Schraube am Umwerfer locker. Und nach insgesamt 95 Kilometern stehe ich dann wieder vor der Haustür.

Den Korridor abstecken

Einen genauen Plan hatte ich nicht, als ich mich heute Nachmittag aufs Bike setzte, um wieder einmal den Weg nach Süden anzutreten. Sicher war für mich nur, daß ich nicht wieder schmalbereift durch die Lande schrubben wollte und daß ich den so oft befahrenen Korridor zwischen dem Barnim und der Bundeshauptstadt neu abstecken wollte.

So zog es mich zunächst zum Buckowsee und von da weiter über Prenden nach Ützdorf. Unterwegs hatte ich überlegt, wo ich noch nie mit dem Geländesportrad (GSR) unterwegs war und dabei das Dreieck zwischen Hobrechtsfelde, Schönow und dem Liepnitzsee ausgemacht.

Daher wendete ich die Front meines GSR direkt hinter dem Liepnitzsee nach Süden und folgte vor allem meiner Nase, den Weg immer wieder auf der Karte nachvollziehend.

Nachdem es zunächst auf Waldwegen unterschiedlicher Güte voran ging, kam ich nördlich von Schönow plötzlich auf eine offene mit Gras bewachsene Fläche, in der sich der Weg zu verlieren schien:

Nach diesem wilden Intermezzo ging es weiter auf Wegen, die bei noch etwas trockenerem Wetter sicher unfahrbar gewesen wären, heute fand ich aber immer etwas Grip im Sand und kam fast überall auf den 2 Rädern meines GSR hindurch.

Im Bereich der Gehackten Berge, die jedoch als Berge kaum auszumachen waren, wurde das Gelände dann wieder offener. Ein alter Militärübungsplatz war erreicht und gleichzeit kam auch wieder die Sonne heraus und zeigte mir, daß es bald dunkel werden würde.

Westlich von Schönow kam ich noch kurz über einen schmalen Weg, ehe ein schnurgerader und glatt geschotterter Weg erreicht war, der mich in die Randberzirke des Großen B brachte. Kurz darauf überquere ich die A10 und sehe noch ein letztes mal die glutrote Sonne, ehe die Dämmerung beginnt und von da rolle ich auf vielfach gefahrenen Wegen heim.

hin und zurück

Die Idee, mit dem Bike an einem Tag aus dem großen B in den Barnim zur Arbeit und nach getanem Tagwerk von dort auch wieder zurück zu fahren, existierte schon länger. Aber es sollte bis heute dauern, ehe ich mich wirklich daran machte.

Die Fahrt nach Eberswalde am Morgen begann mit relativ hohen Temperaturen in der Stadt aber auch mit Nebel an der Peripherie.

An diesem Morgen folge ich auf der ersten Hälfte der Strecke dem Berlin-Usedom-Radweg und nutze die Gelegenheit um auch im Bereich der Eisenbahn bei Bernau ein Paar Fotos zu machen. Hier habe ich einen RE3 in Richtung Elsterwerda erwischt.

Den Rest der Strecke folge ich der B2, die zumindest in der letzten Ferienwoche noch erträglich ist und gelange nach knapp 2 Stunden Fahrzeit im Büro an.

Am Nachmittag habe ich als Ziel, die Baustelle Schiffshebewerk Niederfinow und auch die Badeanstalt in Eberswalde zu besuchen und so fahre ich nicht auf dem kürzesten Weg zurück, sondern verlängere die Runde, indem ich zunächst Richtung Osten aufbreche und erst später nach Süden schwenke. Aber schon auf dem Weg entlang des Finowkanals merke ich, daß der Rückweg wohl wesentlich beschwerlicher als die Tour am Morgen werden würde, denn schon hier spürte ich eine gewisse Mattigkeit.

Größere Höhenunterschiede sind auf der Tour nur im Bereich des Finwotals zu überwinden. Zunächst kommt die Steigung im Bereich der Ragöse, die ich noch recht locker erklimme. Wenige Kilometer später muß ich dann aber von Struwenberg nach Hohenfinow hinauf fahren und quäle mich zum ersten mal an diesem Tage so richtig. Oben angekommen rollt es auch nicht viel besser, denn hier macht sich der leichte Gegenwind bemerkbar, der mich ausbremst.

Hinter Hohenfinow geht es durch Wald in Richtung Gersdorf, wo mich der relativ schlechte Straßenbelag weiter nervt und ich das Gefühl nicht loswerde, daß die kleinen Räder des Herkelmann gnadenlos in jedes Loch plumpsen und mich dabei abbremsen.

Dann folgt Ewigkeiten offenes Land und die kleinen Alleebäume halten den Wind nicht zurück. Statt dessen habe ich sehr oft den Geruch verwesenden Obstes in der Nase. Von den vielen Apfel-, Pflaumen- und Birnbäumen fallen die Früchte, aber niemand sammelt sie auf.

Überraschungen aus der Vergangenheit warten dann in Beerbaum und Gratze auf ahnungslose Schmalspurtreiber. Denn in den Ortsdurchfahrten hat Pflaster aus den Anfangstagen der Mark bis in die heutigen Tage überlebt und fordert das Material zum Vergleich heraus. Das Pflaster in Beerbaum empfinde ich übrigens meist als schlimmer als jenes von Gratze, die Pflasterstrecke ist aber auch etwas länger. In Beerbaum kam mir wie zum Beweis auch eine RR-Fahrerin schiebend entgegen.


Ortsdurchfahrt Beerbaum, leichte Steigung in Richtung Gratze

Im Bereich von Börnicke habe ich dann endgültig die Lust aufs Rennradfahren verloren und fahre nur noch mechanisch weiter. Meine Geschwindigkeit sinkt dabei immer mehr und nur das Einwerfen des letzten Müsliriegels gibt mir noch etwas Energie und bringt mich bis nach Hause, wo ich nach insgesamt 120 Kilometern wieder eintrudele.

Stollenglück

Für mich liegt das Glück allerdings auf den Stollenreifen. Ich mag es zwar auch, mit dem RR durch die Gegend zu fahren, vor allem weil man die Geschwindigkeit hier so schön spürt und es fast lautlos durch die Lande geht. An Tagen wie Montag dieser Woche jedoch möchte ich mit keinem Rennradfahrer dieser Welt tauschen:

Einmal mehr ging es bei bestem Sommerwetter durch die Wälder südlich von Eberswalde.