Nachtfahrten

In dieser Woche hatte ich auf Grund der Verkettung verschiedener Umstände zwei mal die Möglichkeit / Notwendigkeit mit dem Fahrrad zwischen dem Barnim und Berlin zu pendeln. Von der ersten Tour gibt es nicht viel zu berichten, da diese zum einen bei Regen stattfand, zum anderen aber auch durch weitgehend bekanntes Terrain erfolgte.

Die zweit Tour war da schon viel spannender. Es gab zwar auch hier weitgehend bekanntes Terrain, aber die Kombination der einzelnen Regionen gab es bisher noch nicht so häufig und außerdem war das Wetter perfekt. Es war einer dieser milden Frühjuni-Abende, wo es nichts besseres gibt, als so lange wie möglich draußen zu sein und das Licht und die Luft zu genießen.

Zudem gab es neues zu entdecken, da südlich von Prenden eine neue Brücke gebaut war, die so neu war, daß die Absperrbänder noch nicht entfernt waren und das gesamte Bauwerk noch nach frisch bearbeitetem Nadelholz roch.

Kurz darauf folgte noch ein überaus sandiges Stück Waldweg und dann folgte die Fahrt entlang des Liepnitzsees:

Am Ende hatte ich einige kleine Umwege eingebaut, um die Zeit draußen dochnoch etwas zu verlängern, merkte dann aber an meinen Beinen, daß es wohl langsam genug sein sollte und kam nach knapp 3 Stunden zu Hause an.

Etwas Radfahren, ein Sturz, Wildbeobachtungen und dazu Neuland

Ich war heute noch gar nicht so lange auf dem Bike, als ich plötzlich die Leichtigkeit des Fliegens spürte und anschließend dumpf auf dem Weg aufschlug. Linke Seite Knie, Ellenbogen, Kopf hatten Bodenberührung und die Lunge wurde unangenehm komprimiert und ich dachte nur noch, Schei..e, das muß doch jetzt nicht sein, wie kann man nur so dämlich sein und dieses eine Loch im Weg nicht sehen … und das alles, nachdem ich fast 8 Wochen nicht mehr intesiv gefahren war. Heute sollte dochnoch entspannte Eingewöhnung sein und gerade die Knie nur locker belastet werden.

Durch den ersten Schock blieb ich noch etwas auf dem Weg liegen, ehe ich meine Knochen zusammenraffte und mich vom Boden erhob. Kurzer Check, ob alles noch geht und dann rauf aufs Bike und weitergefahren. Zum Glück wohl nur Schürfwunden unter den langen Klamotten. Die haben allerdings etwas gelitten.

Die Laune für den Tag war damit eigentlich hinüber, aber schon wenige Meter weiter kam die gute Laune zurück. Links neben dem Weg entdeckte ich einen Biber, der langsam einen kleinen Wasserlauf hinauftappte. Biber hatte ich schon oft am Finowkanal im Wasser und auch auf dem gegenüberliegenden Ufer erlebt. Diesen kleinen Dickwanst aber ca. 100 Meter vom Kanal entfernt zu beobachten, war schon etwas besonderes:


Am Nachmittag kam die Sonne raus, die bekannten Wege wurden unter die Reifen genommen. Dabei fuhr ich etwas parallel zur Bahn und kam dann …

… über die Schwärze. Auf der Brücke eine kleine Pause, bei der ich bemerkte, daß jemand Brotstücken auf das Geländer gelegt hatte. Und während ich noch über diesen Blödsinn nachdachte, kamen zwei Autos auf dem Waldweg vorbei. Das erste war ein kleiner Skoda, der einen fast schon größer wirkenden Anhänger mit Holz hinter sich herzog. Das zweite Auto war ein Duster, der mitten auf der Brücke anhielt, das rechte Fenster ging runter und ohne große Begrüßung wurde ich recht unfreundlich gefragt, ob ich das Brot dort hingelegt hätte und dann noch irgendein Nachsatz, der nicht zu verstehen war …

Was soll das jetzt? Wie kommt der Typ dazu, mich so anzuquatschen?

Na egal. Weiter geht es der Sonne entgegen. Auf den freieren Flächen bremst der Wind ungemein. Im Wald rollt es aber gut und ich komme so voran, daß ich beschließe, in Rüdnitz mal wieder etwas neues zu probieren. Schon länger hatte ich überlegt, wenn es denn insgesamt in die Tour paßt, mal in diese kleine Straße am Kreisel einzufahren.

Die ersten Meter zeigen, daß Rüdnitz mehr zu bieten hat als alte Bauernhäuser und die Riesenreihenhaussiedlung. Dann kommt ein Pferdehof und es geht auf einem Pfad voran, der sich schnell fast im Unterholz verliert und plötzlich stehe ich vor einem kleinen Wasserlauf:

Daß es ein Fließ aus Rüdnitz kommend Richtung Finow gibt, wußte ich, hatte dann aber nicht erwartet, daß kurz hinter dem Ort schon so viel Wasser drin ist und das Ganze in einem kleinen Einschnitt verläuft.

Über die Bohle komme ich neben den Widerlagern einer alten Brücke über das Fließ und stehe dahinter einfach so im Wald. Der Weg ist kaum auszumachen und ich muß auch immer wieder ein Paar Meter schieben, komme am Ende aber auf dem Berlin-Usedom-Radweg in der Nähe von Lobetal heraus und habe wieder ein für mich neues und interessantes Stück Barnim entdeckt.

Biken, wo der Barnim am schönsten ist

Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich die Wetterlage wirklich als ‚Gutes Wetter‘ bezeichnen soll. Fehlt uns der jetzt nicht fallende Regen doch im weiteren Jahresverlauf und schon jetzt ist in vielen Regionen im Nordosten Waldbrandwarnstufe 4 (also die höchste) herausgegeben worden.

Zum Radfahren ist das Wetter aber sehr gut geeignet und so stand dies heute wieder einmal auf dem Programm. Und als Pferdchen nutzte ich das etwas in die Jahre gekommene aber immer noch sehr fitte Centurion Stratos.

Mein erstes Tagesziel war heute Morgen, noch einmal am inzwischen abgerissenen Kulturhaus von Finow vorbei zu fahren, um mir die Reste noch einmal anzusehen. Vom im Volksmund Vegas genannten Veranstaltungszentrum meiner Jugend ist inzwischen fast nichts mehr zu sehen und so fahre ich schnell weiter in Richtung der Gleise der stillgelegten und inzwischen teilweise auch abgerissenen Eberswalde-Finowfurter Eisenbahn und folge diesen bis auf das Gelände der auch abgerissenen Chemischen Fabrik Finowtal.

Der Weg führt mich durch eine ziemliche Wildnis und auf Grund der vielen Vogelstimmen und der unendlich vielen Mücken, die mich attackieren, als ich ein kleines Fließ überqueren will, fühle ich mich fast in einen Dschungel versetzt.

Weiter geht es durch das Viertel an der Spechthausener Straße, von dem sich die Natur auch immer größere Stücken abschneidet zu den Drehnitzwiesen, die ich auf schönem Trail halb umrunde. An solchen Stellen frage ich mich dann, wozu man weite Reisen unternehmen soll, wenn die besten Wege doch eigentlich vor der Haustür liegen.

Über den Bahnübergang am Tierpark geht es in den Eberswalder Stadtwald, wo ich südlich vom Schwappachweg in bestem Buchenwald eine runde auf sehr hügeligem Terrain drehe und dabei auch die Grenzen des Singlespeed oder vielmehr meiner Kraft erfahre. Und nach knapp 45 Minuten bin ich so bestens gelaunt ins Büro gekommen.

Am Nachmittag möchte ich dem Stratos dann eine Ecke zeigen, die es lange nicht gesehen hatte. Ich folge der Schwärze stromauf und komme so zügig nach Spechthausen und dann folgen viele Kilometer durch herrlichen Buchenwald auf verschlungenen Wegen entlang eines kleinen Fließes. Im oberen Bereich finde ich so gar noch ein Stück Weg, da sich noch nie gefahren war und komme sehr entspannt nach Klobicke. Ab hier folgt dann eine nicht schon oft gefahrene geradlinige Strecke bis ins Große B und am Ende des Tages stehen ca. 70 Kilometer mehr im Roadbook des Stratos.

Der Sonne entgegen

Das trockene, oft sonnige Frühjahr beschert mir immer wieder schöne Stunden auf dem Bike und motiviert mich, den langen Weg zur Arbeit in beiden Richtungen zu fahren. Supercommuting nenne ich dies, auch wenn im englischen Sprachgebrauch, ein supercommuter der ist, der täglich und immer und bei jedem Wetter mit dem Bike zur Arbeit fährt. Dafür reicht es bei mir noch nicht, denn bei knapp 100 Kilometern pro Tag, würde mir einfach die Zeit dafür fehlen.

Heute kam es sogar so, daß ich auf dem wenig benutzten Kona Lava Dome unterwegs bin und den Rückweg mehr off als on the road fahre, dabei noch etwas Eisenbahn fotografiere und auch auf dieser gerne gefahrenen Allee bei Rüdnitz unterwegs war.

Centurion Stratos Mai 1992

Angeregt durch eine Forumsdiskussion habe ich das erste Bild meines Centurion Stratos hervorgekramt. Damals wollte ich eigentlich ein individuelles sportliches Trekking-Bike aufbauen, nach heutigen Maßstäben wäre das wohl ein 29er geworden, da ich aber keinen passenden Rahmen fand, bin ich irgendwann auf den Stratos von Centurion gekommen und habe den Kauf nie bereut.

Heute, viele Metamorphosen der Farbe und Anbauteile später, hat das Rad ca. 65.000 Kilometer runter und Rahmen und Gabel sind immer noch in guter Verfassung.

Durchgebremst

Bei den letzten Fahrten mit ‚The brave‘ bemerkte ich ab und zu beim Bremsen ein leichtes rubbeln und hatte schon die Vermutung, daß das was mit der Felgenflanke sein könnte. Eine optische Prüfung hat allerdings zunächst nichts verdächtiges ergeben.

Auf den letzten Kilometern heute morgen platzte die Felge dann aber doch und so wurde der Heimweg eine sehr geruhsame Fahrt. Jetzt heißt es Ersatz zu beschaffen, ehe der nächste Winter kommt. ‚The brave‘ ist schließlich vor allem mein Winter- und Matsch- und Dunkelfahrrad.

Die verbaute Mavic X 217 hat ca. 13.500 Kilometer in 8 Jahren am Vorderrad zurückgelegt.

Plötzlich war der Winter da

Plötzlich war der Winter da. Diesen Eindruck kann man zumindest gewinnen, wenn man den aktuellen Meldungen zum Bahngeschehen lauscht. Aber so plötzlich war es doch nicht, schließlich ist schon der 04. Dezember und bis Weihnachten dauert es nur noch 3 Wochen.

Für mich war der hereingebrochene Winter eine Freude und ich nutzte den halbfreien Sonnabend für eine Winter-Willkommenstour. Es war am Ende jedoch ein ziemliches Gewühle auf dem Bike und ich hätte vielleicht doch die Ski wählen können. Die Höhe der Schneedecke betrug im Schnitt 10 Zentimeter und auf dem ‚fred‘ ging es meist nur mit ca. 10 km/h voran, teilweise auch noch langsamer. Aber auf Ski wäre ich wohl meist noch langsamer und so war das Bike doch die bessere Wahl.

Vom Heim ging es zunächst nach Norden zum Finowkanal und weiter zum Oder-Havel-Kanal, wo ich mir die Baustelle der neuen Steinfurther Brücke genauer ansah und einen Blick hinab auf die Schollen des Kanals fallen ließ.


(Finowkanal unterhalb der Schleuse Schöpfurth)


(an der Schleuse Schöpfurth findet derzeit eine Trockenlegung statt)


(Eis auf dem Oder-Havel-Kanal, links der Abz. Finowfurt, hinten die neuen Brücken der A11)

Durch den geliebten Hohlweg und den anschließenden Ackerweg fahre ich weiter Richtung Großer Buckowsee. Auf dem Weg durchquere ich erste „Tiefschneefelder“ mit weit mehr als 10 cm zusammengewehter Schneehöhe, am See entlang rollt aber alles schön locker und der See selber ist auch nur zu einem kleinen Teil mit einer dünnen Eisschicht bedeckt, der Rest atmet ruhig.

Blick zurück zur neuen Steinfurther Brücke
(auf dem Hohlweg mit Blick zurück zur neuen Steinfurther Brücke)

Fred auf dem Hohlweg
(Fred auf dem Hohlweg, es geht mit einer leichten Steigung zur Autobahn)


(erster „Tiefschnee“)


(die Sonne kommt hier fast heraus)

Vom alten BEVAG-Heim am Großen Buckowsee nach Werbellin ist der Weg geschoben und so rolle ich hier wieder einmal etwas schneller. Aber schon ab dem Friedhof geht es weiter durch von sehr groben Stollen festgefahrenen Schnee und dann beginnt die Plackerei.

Der Verbindungsweg zwischen Werbellin und Altenhof, der mich zügig ans Ufer des Werbellinsees bringen sollte, ist tief verschneit und verweht. Der Schnee liegt hier teilweise 20 cm hoch und nur mit äußerster Kraftanstrengung geht es vorwärts.

Um etwas besser voran zu kommen, weiche ich manchmal auf den Acker rechts von mir aus. Der Schnee liegt hier wesentlich niedriger, dafür ist der Untergrund aber nicht mehr glatt und ich rumpel über die Ackerfurchen. Mehrfach wechsle ich hin und zurück, aber es will einfach nicht voran gehen und ich habe das Gefühl, daß ich hier meine letzten Körner verschieße.

Irgendwie bin ich dann aber doch nach Altenhof geschaukelt und es geht wieder besser voran. Hier eine Kuriosität am Rande: mir kommt auf einem Sandweg ein Schneeräumfahzeug entgegen, das auf den frei geschobenen Sandweg neuen Sand streut …

In Altenhof rutsche ich fast ausschließlich über den Rollwiderstand des Schnees gebremst zum Ufer des Werbellinsees hinab – Scheibenbremsen hätten es hier vielleicht gebracht, aber so etwas hat mein ‚fred‘ nicht und die Maguras tun sich wirklich schwer mit den vereisten Felgen.

Irgendwie bin ich aber runtergekommen, ohne mich hinzulegen und kann jetzt entspannt am Südufer des Sees entlang fahren. Hier kann ich sogar behaupten, daß es rollt, denn der Schnee liegt zwar relativ hoch aber noch ziemlich locker. Gerade hier treffe ich aber noch auf Fußgänger, die mich fragen, wie ich denn so vorankomme, Schneeketten oder so. Allerdings komme ich eigentlich kaum voran, denn ständig muss ich anhalten und die Eiszapfen an Uferbäumen, Schilf oder Wurzeln bestaunen.


(Eisgebilde am Werbellinsee)


(auf dem Uferwanderweg am Südufer des Werbellinsees)

Am Süßen Winkel dann noch eine leicht nervige Begegnung. Ein Mann mit einem jungen neugierigen leinenlosen Hund kommt mir entgegen, als der Untergrund wieder schwieriger wird und ich komme genau wegen des Hundes, der an mir schnuppern will, vom Rad. Eigentlich nix weiter passiert, aber doch irgendwie nervig.

Bis hier bin ich jetzt schon knapp 2 Stunden unterwegs und so langsam merke ich, daß ich beginne auszukühlen. Daher beschließe ich, einen eher direkteren Weg nach Hause zu wählen und rolle zunächst am Werbellinkanal entlang und dann weiter auf den Radweg zwischen Eichhorst und Finowfurt. Hier rollt es sehr gut, da am Werbellinkanal frisch geschoben wurde und auf dem Radweg auch nur die 2 cm Neuschnee lagen, die über Nacht frisch gefallen waren.


(Schleuse Eichhorst)


(Unterwasser Schleuse Eichhorst)

Am Ende waren es 25 km in gut 2 1/2 und irgendwie habe ich das Gefühl, es könnte die letzte Offroad-Wintertour für 2010 im Barnim gewesen sein? Aber der Dezember hat ja noch 4 Wochen.