Spielbälle, Helden und die Uckermark

Eigentlich wollte ich euch etwas von den Helden des ESK erzählen, die beim Jedermannrennen der Sachsentour mal wieder sehr gut abgeschnitten haben und auch etwas von meiner eigenen Tour, die vielleicht nicht ganz so heldenhaft, dafür aber sehr schön war.

Statt dessen werden meine Gedanken aber immer wieder in Richtung Naher Osten gezogen, wo Menschen sterben (Leben in Trümmern), weil sie als Spielball der Politik herhalten müssen. Also nur ein Paar Bilder und freut euch, daß es uns noch gut geht.




111 KM

Wohlige Müdigkeit durchdringt jetzt meinen Körper. Und sie geht aus von den Beinen, ergriff dann vom Rumpf und schließlich auch vom Kopf Besitz. Aber sie ist auch wohl verdient.

111 km waren es am heutigen Tag, davon weit über 100 nach einem vollen Arbeitstag. Aber es ging nicht anders. Schon seit Tagen drängelt das Wetter – komm fahr doch endlich, jedoch hatte ich immer einen Vorwand …

Heute jedoch hatte ich die Zeit und die Lust und drehte eine kleine Runde nach Osten bis an die Grenze, dann weiter nach Norden durch die Hügellandschaften der Uckermark. Dabei hatte ich aber auch immer noch einen weiten Blick hinab ins Odertal und auf die Hügel der polnischen Seite.

Erntezeit in der Uckermark

Blick übers Land – Stolzenhagen und das Odertal

Alleenland

Ab dem südlichen Tor zur Uckermark – Angermünde – tauche ich ein in die Wälder der Schorfheide. Die Kräfte schwinden allmählich und so werden die kleinen fiesen Stiche zur Qual. Erst vor kurzem hatte ich meinen il.pompino von 39:16 auf 42:15 umgebaut, weil ich dachte, es reicht endlich mit dem hochfrequenten Kurbeln. Aber heute hätte ich mir das liebendgerne zurück gewünscht.

Im Wald kam aber auch die Erinnerung an die geniale Tour, die wir am letzten WE gefahren waren zurück. Denn die von mir heute gefahrene Straße hatten wir da gekreuzt.

Den Abschluß bildet die fast schon übliche Runde um den schönsten See der Welt. Und plötzlich ist auch wieder Power da. Oder ist es nur das nahende Ziel, daß die Muskeln bis zum letzten ausquetscht? Der Speed steigt nochmal und ich fliege fast schon dem Ziel entgegen. Kurz nach 20.00 Uhr ist es erreicht und ich freue mich mal wieder damals diesen Rahmen gekauft zu haben.

Das Knie

Mit dem Thema Sicherheit hat auch dieser post zu tun. Denn wenn ich komplett sicher sein wollte, wäre ich sicher nicht am 25.12. mit dem RR um den See gefahren, sondern hätte meinen A… nicht bewegt und wäre hinter dem Ofen geblieben.

So aber muß ich jetzt damit leben, daß der Sturz mein Knie ganz gut lädiert hat und ich eine Woche gehumpelt bin und heute der Schmerz auch wieder etwas zugenommen hat, nachdem gestern alles ganz gut schien.

Aber ich würde es wieder tun, denn die Tour hat sich gelohnt, die Sonne strahlte und lies den schönsten See der Welt wie einen kleinen Schatz erscheinen! Ich freue mich schon auf die neue Saison.

Platt

Die beiden letzten Tage lag ich etwas platt darnieder und war den ganzen Tag zu nichts zu gebrauchen. Und so konnte ich auch meinen heldenhaften Ausritt vom Sonnabend nicht wiederholen und den letzten Oktobertag des Jahres 2005 mit einem grandiosen Ausritt auf dem il.pompino krönen.

Meine Vermutung ist, daß mir der Grieche vom Sonnabend abend nicht bekommen ist. Vielleicht hätte ich meinen ausgezehrten Körper doch eher mit Nudeln beim Italiener statt mit Gyros füllen sollen?

Aber ich denke, Morgen geht es wieder!

Ausgelutscht – und wer das Pflaster nicht ehrt, ist die Mark nicht wert

Gestern war ich einmal mehr mit dem SSP nach der arbeit eine kleine runde unterwegs. Ich wollte vor allem, den vermutlich letzten trockenen tag einer langen trockenperiode nutzen, für heute und auch die folgenden tage sind sogar hier im nordosten regelmäßige niederschläge angekündigt. Der ekelige herbst scheint jetzt wirklich zu kommen.

Im gegensatz zu den letzten touren fühlte ich mich aber unmittelbar nach der tour und auch am abend ziemlich ausgelutscht oder platt. Dabei war die strecke garnicht so anspruchsvoll. Es ging zunächst wieder die breite straße in eberswalde hinauf, diesmal aber nicht richtung bad freienwalde, sondern richtung trampe/tiefensee. Diese richtung ist etwas fieser, da es auch nach dem abzweig noch weiter relativ steil bergauf geht. Zumindest steiler als in richtung FRW.

Dementsprechend habe ich mich dort auch gequält, obwohl ich zunächst mit 27 (also schneller als an den anderen tagen) sehr zügig und auch locker den berg hochgespult war, wurde es ab dem friedhof richtig zäh und ich schaffte nur noch ungefähr 22 bis zur kuppe. Am hochbehälter der wasserbetriebe ist die ja fast erreicht und dann liegt die tolle straße nach trampe vor mir.

Über die straße hört man sehr oft horrorgeschichten, gerade auch im zusammenhang mit radfahrern. Z.B. wurde einmal ein bekannter auf dem weg nach hause nachts von einem besoffenen autofahrer von hinten auf die motorhaube genommen. Zum glück ist dem radfahrer dabei relativ wenig passiert, nur das bike war schrott. Aber auch heute nerven die autofahrer, die mit teilweise weit über 100 an mir vorbeidonnern.

Aber ab trampe wird es ruhiger, dafür spielt hier der wind eine stärkere rolle. Denn er bremst doch ganz gut. Ich sehe auch an den ganzen windmühlen, daß er fast genau von vorne kommt. Die 3 km bis heckelberg, die im auto so schnell verfliegen, ziehen sich. Hinter heckelberg geht es dann noch etwas weiter richtung tiefensee, dann biege ich aber ab richtung beiersdorf-freudenberg.

Ich biege westwärts auf eine kleinere allee (L236) ab und schlagartig ist auch der verkehr vorbei. Zuerst komme ich nach freudenberg, für mich einer der wenigen orte der region, die ich bisher wirklich noch nie besucht hatte. Die straße bis zum ort ist zwar buckelig, fährt sich aber noch gut. Dann folgt aber bestes kopfsteinpflaster und ich bin mal wieder froh, daß ich keinen schmalen asphaltschneider unter dem hintern habe, sondern mein il.pompino mit 32mm-Reifen. Das pflaster ist so brutal, daß ich mich aber auch nur langsam durchtaste. In Freudenberg bin ich vor allem von der kirche fasziniert. Mal wieder ein beeindruckendes zeugnis märkischer baukunst.

Die weitere strecke kenne ich dann wieder von diversen anderen touren. Über schönfeld und wilmersdorf kämpfe ich mich mit kantenwind weiter nach bernau, von wo ich den radweg über ladeburg-lobethal-biesenthal benutze und so wieder mit sehr wenig verkehr nach hause komme. Denn richtung bernau schien der verkehr von dorf zu dorf immer mehr zuzunehmen, was sehr nervte. Vor allem weil die überholmnöver einiger autofahrer doch eher nach dem motto gingen – augen zu und durch!

Auf den Spuren der Ahnen

Der grandiose herbst verleitet mich immer wieder zu kurzen ausflügen auf meinem drahtesel. Und wider alle vernunft siegt die freude am fahren über irgendwelche verpflichtungen oder arbeiten, die eigentlich zu erledigen wären.

Diesmal führt mich der After work ride nach osten. Nachdem ich beim letzten mal die steigung in bad freienwalde mit dem bike erkundet habe, willich nun den langen und gefährlich aussehenden anstieg von oderberg richtung norden erklimmen.

Aber bevor ich dort bin, muß ich mich wieder die breite straße in eberswalde hochkämpfen. Und diesmal ist es wirklich ein kampf. Denn im gegensatz zur letzten tour fällt es mir schon an der bruno-H-bürgel-schule schwer das tempo zu halten und ich spüre extrem meine beine beim weiterfahren. Und diesmal spüre ich auch, dass es eigentlich bis zum ende von eberswalde immerweiter bergauf geht!

In hohenfinow kommt dann auch herbstliches neuland auf mich zu. Hier bin ich lange zeit nicht mehr entlang gefahren und genieße den weiten blick ins niederoderbruch und auf das schiffshebewerk. Es ist für mich immer wieder faszinierend, wie sich dieses objekt, dass ja eigentlich ein fremdkörper in der landschaft ist, so perfekt einfügt. Und wie ich das gefühl bekomme -wenn es da nicht stehen würde, fehlt etwas.

Das schiffshebewerk soll in den nächsten jahren einen großen bruder bekommen. Näheres zu den planungen findet sich auf den seiten des wna berlin. Dort gibt es auch verschiedene abbildungen, die eine frontalansichtdarstellen, aber keine, die den blick von hier oben wiedergeben.

Ab liepe beginnt dann die arbeit. Wenn man so die karte betrachtet, erwartet hier niemand so richtige anstiege, schließlich geht die straße ja einfach nur parallel zu einem wasserlauf, der alten Oder bzw. dem Lieper und später dem Oderberger See. Aber nichtsdestotrotz geht es schon in liepe aufwärts und dann am ende des ortes nochmal richtig hoch und wieder runter und immerso weiter.

Die straße schlängelt sich durch die ausläufer des Chorin-joachimsthaler endmoränenbogens, der hier in die oderniederung abstürzt. Ich fahre über den teufelsberg und passiere schließlich den pimpinellenberg, an dem die schichtung der endmoräne richtig zu tage tritt. Und dann liegt oderberg, diese kleine stadt, die ihre enge bebauung fast direkt aus dem mittelalter mitgebracht zu haben scheint, direkt vor mir. Aber zunächst muß ich an der ampel am ortseingang noch kurz warten, hole so aber autos ein, die michbereits in liepe überholt hatten.

In Oderberg wende ich mein bike nach norden. Die straße verläßt hier in zwei stufen das niederoderbruch und schwingt sich von einer höhe knapp über dem meeresspiegel bis auf den kamm des Chorin-joachimsthaler endmoränenbogens, der etwas westlich von neuendorf eine höhe von gut 120m erreicht. In oderberg get es dabei erstmal kurz zur sache, noch im ort steigt die straße an und zieht knapp 30 höhenmeter nach oben. Das fährt sich aber alles relativ entspannt, denn ehe es richtig anstrengend wird, bin ich oben und rolle die 3 km bis neuendorf weiter.

Hinter neuendorf kommt allerdings ein zweiter sprung, der mich bis auf ca. 80m über dem meer führen wird. Diese steigung bin ich bisher nur mit dem auto gefahren und da kam sie mir lang und böse vor und so erwarte ich größere schwierigkeiten. Zunächst geht es aber nur gemächlich bergan, erst weit hinter dem ortsausgang von neuendorf beginnt die richtige steigung.

Die straße macht mit beginn des kleinen wäldchens einen kleinen knick nach oben und verharrt dann so. Allerdings scheint die steigung nicht sooo steil zu sein, denn ich kann mein bisheriges tempo fast halten und drücke das bike mit 25 km/h nach oben. Dann eine kleine linkskurve, die straße geht mit gleichmäßiger steigung weiter nach oben. Ich merke wie jetzt die beine beginnen schwer zu werden, sehe aber gleichzeitig auch das ende des waldes und damit auch das ende der steigung. Eine letzte kraftanstrengung und ich bin oben.

Plötzlich ist wieder der gesamte horizont zu erkennen, vorne links sehe ich den parsteinsee, wie er sich in der landschaft breit macht, rechts die dörfer parstein und parsteinsee. Der parsteinsee ist einer der größten seen brandenburgs und ebenso wie die gesamte landschaft ringsum in der letzten eiszeit entstanden. Vom typ ist er ein zungenbeckensee, weshalb seine ufer und auch der see selbst sehr flach sind.

Bis paarstein kann ich jetzt die straße locker hinab rollen und biege hier nach links, richtung pehlitzwerder / brodowin ab. Vorbei am zeltplatz komme ich fast direkt an das seeufer auf eine straße, die von 20.00 bis 5.00 Uhr gesperrt ist. Die temporäre sperrung ist ein kompromiss. Denn die straße zerschneidet ein feuchtgebiet, daß ein wichtiger laichplatz für alle möglichen reptilien ist. Deshalb ist auch der gesamt straßenverlauf von einem froschzaun eingerahmt.

Zum radfahren ist die straße deshalb aber auch ideal geeignet. Es gibt nur relativ wenig durchgangsverkehr und auch der soll sich an die maximalgeschwindigkeit von ___ ups, das war wohl nur ein traum, denn plötzlich bin ich von einer blechlawine förmlich überrollt worden. Auto an auto donnert über das pflaster, sogar ein 40-tonner und ich zweifel schon daran, ob ich hier wirklich richtig bin?

Aber dann kehrt wieder ruhe ein und ich rolle weiter durch die hügelige endmoränenlandschaft. Nur dieser kleine dusselige autofahrer nervt, dem nichts anderes einfällt, um seinen besitzanspruch an genau diesem stück asphalt zu dokumentieren, als mir aus der herunter gekurbelten seitenscheibe zuzurufen: Ey, da isn radweg! – ja, dann benutze ihn doch einfach!

In brodowin wage ich dann nochmal ein abendteuer. Denn schließlich soll mein bike ja ein „do-what-you-want„-Bike sein. Es gibt eine direkte verbindung vom dorf brodowin zum chloster chorin. Die straße ist gepflastert und führt geradewegs durch den wald, vorbei an feuchtgebieten und unter riesigen buchen hindurch. Hinter brodowin läuft es dann auch erstmal gut, denn neben der gepflasterten straße gibt es noch eine spur mit festgefahrenem sand. Aber schon an der steigung, die mich direkt in den wald führt, hört dieser streifen auf.

Ich muß jetzt mitten auf dem pflaster fahren und komme kaum noch vorwärts. Zum einen ist es relativ steil, zum anderen kann ich aber kaum beschleunigen, da die prall aufgepumpten reifen nur von stein zu stein springen und kaum halt haben. Jedesmal scheint ein riesiger teil meiner energie und damit auch meiner geschwindigkeit sich im wahrsten sinne des wortes in luft aufzulösen.

Ich wußte ja, daß die straße alt ist und daß sie geplastert ist. Aber das sie so alt und bucklig ist, hatte ich irgendwie nicht mehr in erinnerung. Sie scheint wohl dochnoch aus der zeit der zisterzienser zu stammen, die die region vor 700 jahren besiedelten, oder etwa nicht? Dann kommt ein kurzes stück, wo die straße nur noch geschottert, vielleicht eher gekieselt, ist. Aber auch hier läuft es nicht wesentlich besser. Immer wieder liegen einzelne größere steine im weg und so habe ich etwas angst um meine reifen und felgen.

So schaukel und stucker ich kilometer um kilometer weiter, immer tiefer in den wald hinein und habe kaum zeit, mich an der schönheit der natur zu erfrischen. Stattdessen halte ich mal den lenker krampfhaft mit beiden händen fest und hoffe, daß mir die finger nicht abfallen. Oder ich lasse den lenker einfach etwas lockerer, muß dann aber mit ansehen, wie das bike sich einen weg sucht, den ich nur bedingt beeinflussen kann. Ein mounty wäre hier vielleicht doch die bessere wahl?

Aber mein „do-what-you-want“-Bike führt mich dann doch wieder hinaus aus dem wald und direkt am amtssee komme ich wieder auf asphalt. Der entspannte blick auf das kloster entschädigt für all das geschaukel und geschuckel und ich bin froh, hier wohnen zu dürfen und die schönheit der märkischen lande jeden tag zu genießen. Und so rolle ich die letzten kilometer entspannt nach hause.

2015

Unglaublich aber wahr – es ist geschafft.

Als das il.pompino anfang diesen jahres richtig in mein leben trat, hätte ich nicht gedacht, daß es solche veränderungen bewirken würde. Eigentlich hatte ich den rahmen ja nur gekauft, weil ich die lackierung so toll fand, irgendwie schafften es die jungs von on-one diesen „must-have!“-Effekt auszulösen und mich wider jede vernunft dazu zu bewegen, diesen rahmen zu kaufen.

Da ich ursprünglich aber noch keinen genauen plan hatte, was ich damit anfangen wollte und wie ich es aufbauen wollte, dauerte es doch wirklich fast 2 jahre, ehe ich den rahmen nicht nur anfassen sondern auch fahren konnte! Bei den ersten fahrten kam er mir auch etwas kurz vor, er hat immerhin nur ein 570er oberrohr, was bei meiner größe doch etwas kurz ist. Aber durch den relativ langen titec-Vorbau konnte ich das zum teil wieder ausgleichen.

Das il.pompino ist gedacht als „do-evering-ride-every-where“-Bike. Es können 28″-Reifen bis ca. 35mm breite eingebaut werden. Dadurch ist fast jeder untergrund zu fahren. Ich sage bewußt nicht gut zu fahren – denn bei pflaster oder losem sand hilft nur profil und breite. Aber zumindest kann ich bedenkenlos auf jede noch so schlechte straße einbiegen – ich komme immer irgendwie durch und muß nicht solche angst wie auf dem richtigen renner haben.

Das il.pompino trat im april richtig in mein leben und ist seitdem das am meisten gefahrene bike. Es hat das graubrot und auch the brave auf dem täglichen weg zur arbeit völlig verdrängt. Graubrot ist dann inzwischen auch aus meinem bestand gewichen. Und the brave nutze ich nur noch für regentage, bzw. tage an denen regen zu erwarten war. Nur das cinder cone kann über das ganze jahr betrachtet, mithalten, da eben nichts über ein richtiges MTB
geht, wenn man wirklich überall fahren will!